Im ersten Teil des großen Exklusiv-Interviews sprach Joelina Drews ehrlich mit uns über Hass im Netz. Im weiteren Gespräch ging es jetzt um den enormen Druck, perfekt sein zu wollen und ihre Essstörung, unter sie als junges Mädchen litt. Heute blickt die mittlerweile 30-Jährige mit Selbstreflexion auf diese schwierige Zeit zurück und spricht offen darüber, welche Erkenntnisse sie daraus gewonnen hat. Vor allem aber möchte die Künstlerin anderen Betroffenen Mut machen. Es sind offene und herzliche Worte einer jungen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht… und auch in der Musik jetzt ihren Platz gefunden hat, wie im weiteren Teil des Exklusiv-Interviews deutlich wurde.
Schlagerpuls.com: Da hast du so recht! Und wo wir gerade beim Thema Neid sind. Manche halten dich für arrogant. Das kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen – du bist eine coole Socke, finde ich…
Joelina Drews: „Ich glaube, das ist einfach ein typisches Vorurteil. Gerade weil ich nach außen sehr selbstbewusst wirke. Privat bin ich durchaus auch anders. Ich habe genauso meine Unsicherheiten und Phasen, in denen ich komplett an mir und an allem zweifle.
Aber wenn ich auf Social Media oder im Fernsehen auftrete, bin ich schon sehr selbstbewusst und sage auch offen meine Meinung. Ich bin ziemlich unverblümt und spreche Dinge direkt an. Ich mag es einfach, Tacheles zu reden. Ich hasse nichts mehr, als um den heißen Brei herumzureden.
Ich glaube, viele Menschen verwechseln diese Art dann mit Arroganz. Dazu kommt das typische Vorurteil: Kind von jemand Bekanntem, mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, muss für nichts arbeiten – also ist sie automatisch arrogant.
Solche Dogmen haften einem einfach an, obwohl man gar nichts dafür kann. Letztendlich können die Menschen sich nur selbst ein Bild machen, wenn sie mich irgendwann einmal live erleben.“
Schlagerpuls.com: Ich finde es aber gut, dass du so selbstbewusst bist. Du bist für viele Menschen schließlich auch ein Vorbild. Gerade weil du gesellschaftlich wichtige und schwierige Themen ansprichst – zum Beispiel deine Essstörung. Du kannst aus eigener Erfahrung berichten und anderen Menschen zeigen, dass man es schaffen kann.
Joelina Drews: „Total. Ich finde es wichtig, sich immer wieder auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Außerdem sollte man akzeptieren, dass es Dinge gibt, die man einfach nicht kontrollieren kann.
Bei mir war es damals so, dass ich als Teenager mit negativen Kommentaren und den Meinungen anderer überhaupt nicht umgehen konnte. Das ist ohnehin eine sehr sensible Lebensphase und mich hat das damals extrem verletzt. Ich habe mir alles unglaublich zu Herzen genommen.
Irgendwann wollte ich einfach nur noch perfekt aussehen. Ich konnte meinen Körper nicht so akzeptieren, wie er war, und wollte unbedingt Kontrolle darüber haben. Ich glaube, genau das hat mich letztlich in die Essstörung geführt.
Was ich daraus gelernt habe, ist: Jeder Mensch hat schöne Eigenschaften und Stärken. Man sollte sich nicht ständig mit der Welt auf Social Media vergleichen. Dort wirkt nach außen alles perfekt, aber das ist eben nicht die Realität.“
Schlagerpuls.com: Ja, auf jeden Fall. Gerade der Druck der Öffentlichkeit und Social Media können unglaublich viel mit einem machen. Wie hast du es denn geschafft, da wieder herauszukommen? Heute bist du eine gestandene Frau, weißt, was du willst und gehst deinen Weg. Was ist dein Tipp für Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken?
Joelina Drews: „Was mir auf jeden Fall geholfen hat, waren viele, viele Gespräche – vor allem mit meiner Mama, also mit jemandem, der mir einfach sehr nahesteht.
Bei mir gab es außerdem einen echten Wake-up-Call. Ich hatte als 13-, 14-Jährige plötzlich keine Periode mehr – und das bis ich 18 oder 19 war. Das ist natürlich genau die Zeit, in der sich der Körper entwickelt. Ich habe mich damals selbst einfach sehr eingeschränkt.
Zum Glück hat sich das später wieder verändert. Auch dadurch, dass ich mit 19 meinen ersten Freund hatte, hat sich vieles ganz von selbst wieder eingependelt. Zunächst ging es sogar in die andere Richtung – Richtung Binge Eating. Ich war dann etwas kräftiger, würde aber nicht sagen, dass ich dick war. Irgendwann hat sich das alles wieder ganz natürlich reguliert.
Vor allem aber konnte ich durch die vielen Gespräche unglaublich viel reflektieren. Deshalb denke ich, dass es ganz wichtig ist, Menschen im eigenen Umfeld zu haben, denen man sich anvertrauen kann. Und wenn man diese Menschen nicht hat, sollte man sich Hilfe bei jemand anderem suchen.
Auch Therapie sollte heute überhaupt kein Tabuthema mehr sein. Es kann unglaublich helfen, mit jemandem über all diese Dinge zu sprechen.“


