Nach dem Finale ist vor dem nächsten Angriff: Rea Garvey hat noch eine Rechnung bei„The Voice of Germany“ offen. In der vergangenen Staffel schaffte es sein Talent Max Pesé bis ins Finale, am Ende holte jedoch Nico Santos den Sieg. Im Sender-Interview spricht der Coach über seinen Kampfgeist, die positive Konkurrenz unter den Coaches, das vermeintliche „Oldschool vs. Newschool“-Duell und darüber, was ein Talent braucht, um auf der großen #TVOG-Bühne wirklich zu überzeugen.
Dein letztjähriger Finalist Max Pesé hat bei #TVOG mit seinen Performances überrascht und trotz seines jungen Alters quasi eine „alte Seele“ gezeigt. Suchst Du in der 16. Staffel #TVOG wieder nach so einem besonderen Sänger oder Sängerin?
Rea Garvey: „Mein Ziel bei ‚The Voice of Germany‘ ist immer, eine besondere Persönlichkeit zu finden. Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass es nicht reicht, wenn die Stimme einfach gut ist. Es geht auch um die Ausstrahlung einer Person. Man braucht etwas Magnetisches an sich, wenn man auf der Bühne steht, um das Publikum anzuziehen. Man braucht ein bestimmtes Flair, das in Erinnerung bleibt. Ich bin ja bekanntlich nicht so der Stratege. Aber ich weiß, dass ein Talent für das Publikum spannend sein muss – es muss neugierig auf das sein, was hinter ihm oder ihr und dem Auftritt steckt. Dass die Talente bei #TVOG gut singen können, ist ja quasi schon die Erwartungshaltung des Publikums an sie. Deswegen steht für mich die Kombination aus Neugier gekoppelt mit Talent an erster Stelle.“
Je mehr Talente ein Coach mit ins Finale nimmt, desto größer die Siegchance – stimmt das, oder ist das ein Trugschluss? Nico Santos ist ja tatsächlich mit drei Talenten ins Finale eingezogen und hat dann mit Anne Mosters den Titel geholt …
Rea Garvey: „Es geht tatsächlich nicht um die Anzahl der Talente, mit denen man ins Finale einzieht. Gar nicht. Aber bei Anne gab es genau diese interessante Geschichte, von der ich gerade sprach. Sie hat es zum zweiten Mal bei #TVOG versucht. Nico Santos hatte mit ihr schon mal auf einem seiner Konzerte performt, nachdem er sie bei #TVOG und auf Social Media entdeckt hatte. Dann hat er blind für sie gebuzzert. Alle diese Dinge ergeben eine schöne Geschichte, die man gerne verfolgt. Das war absolut berechtigt, dass Anne und damit auch Nico als ihr Coach gewonnen hat.“
Was hast Du Dir für die neue Staffel #TVOG vorgenommen?
Rea Garvey: „Was ich bei ‚The Voice‘ liebe, ist, die Coaches können machen, was sie wollen, aber im Endeffekt entscheidet das Publikum ganz nach Talent. Shirin spielt aktuell beispielsweise die größten Touren, hat die meisten Follower, aber noch keinen #TVOG-Titel. Ich habe letzte Staffel aber auch nicht gewonnen. Ich habe deshalb umso mehr Bock und dieser dritte #TVOG-Stern würde für ein schönes Gleichgewicht für mich sorgen. Zwei Titel, obwohl es eine gerade Zahl ist, fühlt sich noch nicht ausgewogen an.“
Dein Kampfgeist für Staffel 16 ist also geweckt, Rea?
Rea Garvey: „Ich habe bisher immer mein Bestes als Coach gegeben. Ab den Battles ist die Performance natürlich super wichtig. Ich habe bisher tendenziell vielleicht mehr Gewicht auf den Gesang als die Performance gelegt. Vielleicht hat mein Team letztes Jahr deshalb kein ‚Battle of the Night‘ gewonnen. Aber mit meinem Finalist Max Pesé wurde ich dennoch Zweitplatzierter. Das Endergebnis ist einfach eine Summe aus vielen Komponenten und die Punkte, bei denen wir vielleicht etwas schwächer aufgestellt sind, gleichen wir mit anderen Punkten sehr stark wieder aus.“
Mit der neuen Staffel möchte Nico Santos einen Doppelsieg klarmachen. Du hast auch schon zweimal #TVOG mit einem Talent gewonnen, Michi Beck und Smudo ebenfalls. Was macht Ihr jetzt, um zu verhindern, dass Nico Santos mit euch gleichzieht?
Rea Garvey: „Wir werden einfach besser sein. (lacht) Als Coach gibt es zwei Optionen: Du kannst entweder eine Contemporary-Welle surfen, und versuchen, die Talente zu ergattern und sie ins rechte Licht zu rücken, wo musikalisch gerade das Publikum sowieso schon hinschaut. Also die Musikrichtung zu treffen, die gerade aktuell ist. Oder du konzentrierst dich ganz auf die ungewöhnlichen Talente und versuchst einfach, dass sie richtig zum Strahlen kommen.“
Letztes Jahr hat man Euch eine kleine Lagerbildung nachgesagt, oldschool vs. newschool aka Nico und Shirin gegen die Fantas und dich. Geht das dieses Jahr genauso weiter?
Rea Garvey: „Ich glaube, Shirin und Nico haben schon einen kleinen Pakt miteinander. (lacht) Sie haben bereits Musik miteinander gemacht und sind in der gleichen Bubble. Aber ich fühle mich nicht oldschool. Ich bin superneugierig, was jetzt gerade passiert. Es ist nicht immer ein Vorteil, wenn man eine klare Form verfolgt. Deswegen bleibe ich offen für alles. Und ich glaube, das entspricht auch meiner Karriere. Ich will eigentlich ein bisschen von allem erleben. Jeder braucht ja irgendwie so eine Schublade, gerade in der Medienwelt. Aber mein eigenes Ich hat Schubladen immer abgewählt. Mir war das nicht genug. Es ist zu klein für mich. Ich will lieber den ganzen Schrank haben.“ (lacht)
Gibt es einen Song, bei dem du sagst, wenn der von einem Talent performt wird, da haue ich gleich noch mal lieber auf den Buzzer?
Rea Garvey: „Die Liste ist so lang, von Songs, bei denen du die ersten drei Töne hörst und denkst: Oh, I love the song! Dann hat man als Talent schon ganz gute Karten. (lacht) ‚Pretender‘ von den Foo Fighters ist einfach so ein Klassiker. Oder ‚Happy‘ von Pharrell Williams und Billie Eilish natürlich auch. Wenn du Melodien hörst, die dich schon immer eingefangen haben. Das Gegenteil gibt es aber natürlich auch. 80s sind bei mir manchmal schwierig, obwohl ich sie kenne und teilweise liebe. Manche Lieder sprechen mich aber einfach nicht an, weil ich keine Beziehung zu ihnen habe. Manchmal liegt es auch daran, dass ein Song in Deutschland beispielsweise in den 90er Jahren groß war. Die sind mir dann fremd und schlagen bei mir vielleicht nicht direkt ein. Aber dann gibt es auch wieder Gegenbeispiele wie Herbert-Grönemeyer-Songs, bei denen ich denke: ‚Wow!‘ Die kannte ich vor #TVOG auch nicht – und trotzdem hauen sie mich dann total um.“
Gibt es in den Coachings eine Übung, die du mit deinen Talenten machst oder ihnen einen Tipp gibst, den sie direkt greifen können, der sie direkt einen Sprung machen lässt?
Rea Garvey: „Manche Talente erkennen noch gar nicht ihr eigenes Talent oder unterschätzen sich selbst. Sie sind oft so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht in die Freude am gemeinsamen Musikmachen finden. Wenn sie mit Druck und einer bestimmten Erwartung an sich selbst in den Coaching-Raum kommen, ist das wie eine vorbereitete Enttäuschung. Dann muss ich sie erstmal von ihrem Druck ‚entwaffnen‘, den sie sich selbst machen. Ich versuche deswegen, dass wir uns auf einer Ebene treffen, denn wir sind alle gleich. Ich sage ihnen also: Halt, Stopp. Erstens, schön, dass du hier bist. Zweitens, schön, dass ich hier bin. Und drittens, let’s just do music. Und wenn ich diesen ersten gemeinsamen Moment mit den Talenten habe, wo wir alle anfangen, uns wohlzufühlen, dann können wir arbeiten.“
Was ist die größte Challenge für Dich als Coach?
Rea Garvey: „Manchmal haben Talente ein ganz anderes Bild von sich selbst als das Publikum. Als Coach ist es deshalb auch meine Aufgabe, ihnen zu spiegeln, wie sie von außen wahrgenommen werden – und dann gemeinsam herauszufinden, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen. Ich bin niemand, der später sagt: ‚Ich hab’s dir doch gesagt.‘ Ich gebe als Coach mein Bestes, aber am Ende funktioniert es nur gemeinsam. Coach und Talent müssen im Einklang sein. Wenn beide alles geben und sich wirklich aufeinander einlassen, dann kann daraus etwas entstehen, das am Ende auch zum Sieg reicht. Denn die Konkurrenz schläft natürlich nicht. Nico zum Beispiel ist ein extrem aktiver Coach und sehr stark in alles involviert. Bei seinem Team merkt man, dass er musikalisch in viele Richtungen denkt – bei Harmonien genauso wie bei den Performances. Und Shirin ist auf der Performance-Ebene eine echte Macht. Selbst wenn jemand vielleicht nicht die stärkste Stimme im Wettbewerb hat, schafft sie es, mit ihren Talenten eine Performance auf die Bühne zu bringen, die einen komplett mitnimmt. Das muss man neidlos anerkennen.“
Hast du noch einen Tipp, wie man sich beim Musikmachen verbessern kann?
Rea Garvey: „Wenn dir bei der dritten Sprosse einer Leiter irgendwas im Weg steht, dann versuche sie auszulassen, sie zu überspringen. Irgendwann später, ist die dritte Sprosse für dich gar kein Problem mehr und du kannst sie wieder angehen. Aber nur an der dritten Sprosse hängen zu bleiben, bringt dich die Leiter nicht weiter hinauf.“



