Kastelruther Spatzen widmen verstorbenen Manager ein Lied: Norbert Rier macht klar – Albin hat „den Schmerz und die Trauer in Musik verwandelt“

Kastelruther Spatzen: Norbert Rier mit Gesundheitsupdate nach Herz-OP!
Bewegend!
© Pressefoto

Die Kastelruther Spatzen besingen noch heute sehr erfolgreich die heile Welt – doch sie beherrschen auch die tiefgründigen Töne. Auf ihrem neuen Album „Hollywood in Kastelruth“ (VÖ 27.11.26) erinnern sie daher nun auch an ihren ehemaligen Manager Karl-Heinz Gross, der 1998 ermordet wurde. Im Interview mit Martina Mack sprach Frontmann Norbert Rier nun darüber, wie Bandmitglied Albin (Bruder von Karl-Heinz Gross) die Trauer nach so vielen Jahren in Musik verwandelte. Dabei machte Rier klar: Bis heute ist der Mord für sie unerklärlich!


Ein besonderes Lied ist auch „Gegen das Vergessen“ von Albin Gross. Das Lied thematisiert den Mord an seinem Bruder, dem Manager der Band, Karl-Heinz Gross, der 1998 in Magdeburg getötet wurde. Wie kam es dazu?

Albin hat nach all den Jahren den Schmerz und die Trauer in Musik verwandelt. Was wir nie vergessen und bis heute nicht verstehen werden, ist, dass diese Tat überhaupt passieren konnte. Und es ist unglaublich, dass bis heute nicht aufgeklärt werden konnte, was damals genau geschehen ist. Trotz allem sind es Erinnerungen, die zu unserer Geschichte gehören. Und mit zunehmendem Alter erinnert man sich immer mehr an bestimmte Dinge, Gott sei Dank auch an viele schöne Sachen – aber eben auch an schlimme Dinge, die man nicht einfach beiseite schieben kann. Wir sind gespannt, wie die Leute auf das Lied reagieren. Das wird sicher sehr emotional, so viel steht fest.

Sie singen nicht nur von der heilen Welt, sondern greifen eben auch schwierige Themen auf. Gibt es auf dem neuen Album etwas Überraschendes?

Es gibt wieder überraschend gute Lieder (lacht). Die Fans erwarten von uns, dass wir neben der schönen Landschaft und den Bergen auch immer wieder Themen bearbeiten, die ein bisschen unter die Haut gehen, die im Leben stattfinden, die zum Nachdenken anregen sollten. Und natürlich geht es immer um all die Emotionen, die uns bewegen, und um das Wichtigste im Leben: die Liebe! Und wir haben bei der neuen Produktion auch Lieder dabei, in denen es um meine Gesundheit geht und darum, dass man im Leben Engel braucht, die einen beschützen.


Glauben Sie an Engel?

Ja, ich bin ein sehr gläubiger Mensch und ich glaube an Engel, die bei uns sind und uns beschützen. Bei meinen Operationen hatte ich viele Schutzengel an meiner Seite. Aber auch auf der Straße, wenn wir unterwegs zu unseren Konzerten sind. Man braucht sie immer – gerade wenn man viel unterwegs ist. Es gibt auch einen schönen Spruch, der heißt: Fahre niemals schneller, als dein Schutzengel fliegen kann – damit er dich nicht verliert. Der Glaube versetzt Berge, heißt es, und es ist wichtig, dass man einen Glauben und ein Ziel hat im Leben. Besonders in Situationen, in denen es einem nicht so gut geht, braucht man einen Halt und Hoffnung – das ist etwas ganz Wichtiges. Ich hatte das Ziel, wieder ganz gesund zu werden. Meine Familie, die Kinder und die Enkel haben mir dabei geholfen. Dieser Halt ist wichtig, damit man sich nicht aufgibt.

Ein sehr bewegendes Lied ist „Die Menschlichkeit macht Menschen“. Möchten Sie sich mit diesem Lied bei jemandem bedanken?

Ja, es ist als Dankeschön gedacht. Ich habe in meiner Zeit in der Klinik jeden Tag gesehen, was die Krankenschwestern, die Pfleger und Ärzte alles für die Menschen leisten. Nach der Operation im Krankenhaus oder auch in der Reha fühlte ich mich oft hilflos. Und ich habe gemerkt, wie wichtig es in dieser Situation ist, eine gewisse Geborgenheit und Wärme zu spüren. Dass man gut umsorgt und fürsorglich betreut wird. Und ich hatte immer das Gefühl, dass die Pflegekräfte trotz ihres Stresses nicht nur gefühllos ihren Job erledigen, sondern dass sie sich mit richtig viel Herz um ihre Patienten kümmern. Das ist bewundernswert – dafür bin ich sehr dankbar und wollte das mit dem Lied auch ausdrücken.


Gibt es denn einen Song auf dem Album, bei dem Sie bei der Produktion schon gedacht haben: Das könnte ein Spatzen-Hit werden?

Ich will mich da nicht festlegen. Man versucht, sich in jedes Lied so richtig hineinzuleben, dass man voll mit dem Herzen dabei ist, wenn man es singt. Natürlich gefallen mir alle Lieder gut – ich könnte mich jetzt nicht speziell für eines entscheiden, von dem ich sagen würde: Das wird ein Superhit. Ich lasse mich überraschen. Ich hoffe einfach, dass es gut bei unseren Fans ankommt.

„Der Herrgott kennt die Einsamkeit“ ist ein schöner Titel. Kennen Sie dieses Gefühl auch?

Nein, eigentlich ist in meinem Leben sehr viel los. Aber ich weiß natürlich, dass viele Menschen sich einsam fühlen, und ich bin auch einer, der versucht, den Leuten dann Mut zu machen und ihnen gut zuzureden. Ich versuche, sie positiv zu stimmen. Klar kann man sich einsam und hilflos fühlen, gerade wenn man in einer Situation ist, in der es einem nicht gut geht. Ich bin aber ein sehr positiv denkender Mensch und weiß, dass es immer wieder einen Lichtblick gibt. Auch zwischen den dunkelsten Wolken blitzt irgendwann wieder die Sonne durch. Viele Stimmungen hängen auch mit dem Wetter zusammen.

Bild von Kevin Drewes

Kevin Drewes

Chefredakteur

Kevin Drewes ist seit über 10 Jahren im Schlager unterwegs und bringt als Chefredakteur seine ganze Erfahrung und Leidenschaft mit hinein. Kein anderer kann solch eine Expertise wie er vorweisen.

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