„Ti Amo“, „Hello Again“, „Nachts, wenn alles schläft“ … Im Laufe seiner 60 Jahre währenden Gesangskarriere hat der Schlager-Titan mit unzähligen Hits Evergreens geschaffen – und sich damit ein Denkmal: Howard Carpendale. Kurz vor seinem 80. Geburtstag widmet Giovanni Zarrella ihm seine nächste Samstagabend-Show mit vielen bewegenden Überraschungen wie dem Auftritt seines Weggefährten Jürgen Drews nach dessen gesundheitlich bedingtem Karriereende. Im Interview kurz nach der TV-Aufzeichnung gibt der berühmte Südafrikaner tiefe Einblicke in seine Seelenwelt.
Welche Bedeutung hat das ZDF für Sie?
ZDF war ohne Frage der wichtigste Kanal überhaupt, weil (überlegt) da waren die meisten Musiksendungen, angefangen natürlich mit die Hitparade damals. Ich glaube 69 war der Anfang. Und wir haben alle, wie man damals vor 20, 25 Millionen Zuschauer gestanden. Und ich merke heute noch im Konzert, wenn ich diese Wort erwähne, hat es eine sehr, sehr große Bedeutung für die Menschen, diese Zeit. Es war wirklich eine Sendung für die Familie.
Nun hat Ihnen genau dieser Sender eine Spezial-Ausgabe der Giovanni-Zarrella-Show zur besten Sendezeit samstags 20.15 Uhr gewidmet. Als Sie davon erfahren haben, was ging da Ihnen vor?
Endlich (lacht)! Endlich das, was ich immer machen wollte, weil diese eine Show, wo man drei Stunden verschiedene Facetten von sich zeigen kann und so weiter, ist ganz, ganz was anderes, als wenn man mit 20, 30 Kollegen ein, zwei Lieder singt.
So ne Sendung wie jetzt mit Giovanni ist, das ist schon was ganz anderes. Da hat man die Zeit, diese für mich sehr wichtige Wort, das sicher nicht überstrapaziert ist, aber ein bisschen Entertainment zu zeigen. Und ich bin nach wie vor der Meinung, das ist das, was man unbedingt mehr und mehr im Fernsehen zeigen soll. Dass Künstler nicht nur einfach singen, dass sie auch ganz andere Seiten haben.
Die Gäste haben mich persönlich wahnsinnig gefreut. Das wusste ich allerdings erst an diesem Abend, als es, es passte alles. Es waren alle Gäste, mit dem ich irgendwas erlebt habe in meinem Leben, irgendwas mit zu tun haben. Da haben wir sehr aufgepasst, dass nicht irgendeine da sitzt und sagt: „Ich kenne ihn nicht, aber seine Lieder gefallen mir.“ Das wollten wir nicht. Es war aber verdammt harte Arbeit. Also ich muss ehrlich sagen, ich habe diese drei Tage, wo wir geprobt haben, da habe ich mich ganz schnell das Bett gelegt abends.
Was war der emotionale Höhepunkt für Sie?
Ich muss jetzt ganz ehrlich sagen: Das Ganze, die ganze vier Stunden war eine, eine einfache High. Ich kann nicht besser sein, als ich an diesen Abend war. Das gebe ich ganz offen zu, mmh. Und für mich ist es ganz, ganz wichtig. Meine Karriere ist jetzt sicherlich im Winterbereich schon, und ich hätte gerne, dass die diese Erinnerungen von mir im Kopf haben.
Was der emotionelste Teil an dieser Sendung angeht, waren natürlich das, der Moment mit, mit Jürgen. Jürgen Drews war für mich sehr, sehr schön, sehr emotionell, weil da stehen zwei Männer, die wo man einfach nicht weiß, wie oft werden die noch im Fernsehen stehen. Und ich glaube, das Publikum hat es genau das mitgefühlt, dass das ein ganz besonderer Moment war. Alexander Klaws war für mich eine unglaublich toller Moment.
Der erste DSDS-Superstar sang Ihr „Lied, das Leben heißt“ und erntete damit Standing Ovations. Wird es der Nachwuchs-Künstler schwerer haben, nach oben zu kommen und sich dort zu halten? Ich frage einen Titanen, der seit 60 Jahren top im Geschäft ist.
Die ganze Musikszene wird eine ganz andere in der Zukunft. Ich glaube, dass wir auf Produkte wie Langspielplatten natürlich, die gibt es seit langem nicht mehr. Aber all die Möglichkeiten, wo ein Künstler sich über 12, 14, 16 Millionen austoben kann, das wird‘s nicht mehr geben. Es wird viel mehr eine Single-Rennen um Streaming …. Und ich kann wirklich nicht sagen, dass ich das für eine sehr glückliche Entwicklung finde. Ich glaube, wir werden nie wieder (vielleicht „nie wieder“ ist übertrieben), aber wir werden selten Hits haben, die die ganze Nation mitsingt.
Und wir werden große Namen wahrscheinlich nicht mehr erleben, wenn es mal irgendwann mit einer Taylor Swift oder Ed Sheeran zu Ende geht. Es wird sehr, sehr schwer sein. Künstler, natürlich durch ihren Klicks und ihren Social Media werden schon Millionen den kennen, aber, aber nicht in der Form, wie man über die letzten 50, 60 Jahre seine einzige Star gehabt hat. Das wird es glaube ich kaum noch geben.
Was geben Sie Ihren Nachfahren mit auf den Weg?
Ich weiß, Fairness ist etwas, was bei mir sehr, sehr großgeschrieben ist. Das kommt von Sport viele Jahre als Sportler in eine Mannschaft. Da lernt man Fairness sehr schnell und mmh … In dieser Beziehung bin ich mit mir selber zufrieden und versuche das so ein bisschen weiterzugeben in einer Zeit, wo man schon eine sehr diversifizierte Welt sieht, die sehr aggressiv ist.
Was können Sie dagegen tun?
Ich bin ein Sänger und ich kann die Welt nicht ändern. Das ist mir völlig klar. Ich bin mir selber gegenüber sehr ehrlich. Und, und was ich tun kann, dass die Leute mal für ein paar Stunden begeistern und hoffentlich für ein paar Monate zurückdenken an einen schönen Abend.
Zu etwas Erfreulichem: Ihr runder Geburtstag.
Ich habe noch nie einen einzigen Moment gehabt in meinem Leben, wo ich dachte: Du bist fast 80. Das ist für mich unfassbar. Ich fühl mich da noch nicht so… Der Körper hat sein Wehwehchen und so, das ist klar. Aber im Kopf … Ich verbringe viel Zeit mit jungen Menschen. Das ist nichts, was ich bewusst mache. Aber ich fühle mich nach wie vor im Kopf… Ich sage immer gerne: Ich bin kein alter Mann. Ich bin ein junger Mann, der sehr lange gelebt hat.
Werden Sie Ihren 80. groß feiern?
(lacht) Das wäre der erste Geburtstag, den ich je gefeiert hab. Applaus höre ich gerne, wenn ich was Gutes mache. Aber 80 zu werden, ist keine Leistung. 60 Jahre in dieser Branche zu existieren, das ist eine Leistung.
Am Samstag um 20.15 Uhr lädt Giovanni Zarrella zu seiner nächsten ZDF-Show ein – zu einer „Samstagsnacht mit Howard Carpendale“. Mit vielen Künstlern und Weggefährten des Schlager-Titans wie Wencke Myhre, Popstars wie Paul Young und Lieblingen wie Kerstin Ott und Beatrice Egli. Die Sendung ist auch im Web und der ZDF-App zu sehen.)
Das Interview führte Christian Schäfer-Koch, ZDF

