Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz spaltet die Musikbranche. Während die einen in ihr neue kreative Möglichkeiten sehen, bangen andere um ihre Existenz. Als erfolgreiche Songwriterin als auch Sängerin kennt ela. beide Seiten. Im Interview spricht sie offen über den Kampf um Urheberrechte, kritisiert, dass KI mit den Werken von Kreativen trainiert wurde, ohne deren Zustimmung… und erklärt, warum sie sich gemeinsam mit der GEMA für faire Regeln einsetzt. Dabei macht sie zugleich deutlich: KI kann eine Chance sein – aber nur, wenn der Mensch und seine kreative Arbeit im Mittelpunkt bleiben. Es sind starke Worte einer Frau, die Musik mit Herz schreibt.
Schlagerpuls.com: ela. wie siehst du die Entwicklung der Musikbranche. Ist es schwerer geworden?
ela.: „Absolut. Ich glaube, es war nie einfach, aber aktuell ist es besonders schwer. TV-mäßig haben wir einfach immer weniger Plattformen für Musik und Künstler:innen. Im Radio gibt es natürlich immer wieder ein paar Formate, aber auch die werden immer weniger oder ganz eingestampft. Generell wird auch die Kulturförderung immer weiter gekürzt, weil die Kohle knapp ist. Klar, was wird zuerst gestrichen? Kultur. Weg damit. Traurig, aber wahr.
Und dann hast du natürlich noch Social Media. Das ist einerseits eine große Chance, andererseits ist der Markt völlig überflutet. Und jetzt haben wir auch noch KI. Teilweise läuft tatsächlich KI-generierte Musik im Radio, ohne dass sie überhaupt gekennzeichnet wird. Da bin ich gemeinsam mit der GEMA an vorderster Front und kämpfe dafür, dass wir da Fortschritte machen. Aber das ist noch ein langer Weg. Für Künstler:innen wird es dadurch einfach nicht leichter, gesehen zu werden. Deshalb ist man umso glücklicher und dankbarer, wenn man überhaupt Chancen und Plattformen bekommt.
Schlagerpuls.com: Wie kritisch siehst du das Thema KI? Das entwickelt sich ja gerade rasant. Inwischen ist es fast Alltag, dass Cover oder andere Inhalte mit KI erstellt werden.
ela.: „Das stimmt. Der größte Knackpunkt ist für mich als Urheberin, dass die KI-Systeme der großen Konzerne mit unseren urheberrechtlich geschützten Werken trainiert wurden, ohne dass wir gefragt wurden. Gerade im Musikbereich kämpfen wir deshalb wirklich an vorderster Front.
Gleichzeitig kann KI natürlich auch eine Chance sein. Wie praktisch ist es, damit Demos erstellen zu können? In der kreativen Szene gibt es deshalb eine große Spaltung. Produzent:innen, Songwriter:innen und Artists sagen teilweise: ‚Das ist doch super. Ich habe einen kreativen Partner in Form einer KI, mit dem ich Ideen hin- und herwerfen kann.‘ Andere wiederum sagen: ‚Ich glaube, ich habe in den nächsten Jahren keinen Job mehr.‘
Das ist ein großes Spannungsfeld. Ich persönlich glaube, dass KI eine Chance sein kann, weil sie Prozesse beschleunigen kann. Aber das muss unter fairen Bedingungen stattfinden – vor allem für Kreative und Urheber:innen. Das betrifft ja nicht nur meinen Beruf, sondern eigentlich alle. Selbst Models werden inzwischen durch KI ersetzt oder digital nachgebildet. Das finde ich schon traurig. Deshalb möchte ich einfach einen kleinen Shout-out an die Menschlichkeit geben. Wir sollten das Menschsein als das Wertvollste bewahren und KI eher als Werkzeug sehen – nicht als den ‚Main Character‘.“
Schlagerpuls.com: Starke Worte! Und apropos stark – zu deinem aktuellen Album. Gibt es einen Song, der dich emotional besonders herausgefordert hat?
ela.: „Ich muss sagen, dass das bei allen Songs teilweise ganz schön hart war. Natürlich hat es auch sehr viel Spaß gemacht. Vor allem bei diesem Album ist es so: Es ist ein großes Herzensprojekt, weil nur Menschen, die ich wirklich sehr, sehr liebe – Freunde und Wegbegleiter – daran mitgewirkt haben. Selbst am Cover saß ich zwei Tage lang mit meiner besten Freundin. Wir haben wirklich bis ins kleinste Detail daran gearbeitet. Es ist ein sehr, sehr liebevolles Produkt, bei dem wirklich alles komplett handgemacht ist. Auch die Musik ist ein bisschen handgemachter.
Es war ein großer Prozess, weil ich mich wirklich mit meinem kleinen Ich und meiner ganzen Entwicklung auseinandergesetzt habe. Zum Beispiel handelt Ein kleines bisschen glücklich davon, Neuanfänge zu wagen und zu sagen: ‚Ey, ich glaube, ich bin ein kleines bisschen glücklich, weil gerade eigentlich schon alles ganz cool ist.‘ Es sind alles Momentaufnahmen aus meiner Biografie, die ich da hineingepackt habe. Und es gab immer wieder Höhen und Tiefen, in denen ich zu Hause am Klavier oder Flügel oder im Studio saß und dachte: „Okay, und was mache ich jetzt eigentlich?“ Man fordert sich immer wieder selbst heraus, gräbt tiefer und überlegt: ‚Was will ich meinen Fans eigentlich mitgeben?‘ Es gibt auch einen Hidden Track. Der war bewusst keine Single, weil er für mich so ein kleines Geheimnis ist. Er heißt ‚Herz ausgesucht‘ und ist wirklich sehr, sehr ehrlich geschrieben. Aber ich würde schon sagen, dass mir alle Songs natürlich sehr am Herzen liegen. Ich bin auch super stolz, weil es wirklich ein Konzeptalbum geworden ist. Es beginnt mit einem Intro und endet mit einem Outro.
Der letzte Song ist tatsächlich im Studio entstanden. Wir haben ihn einfach mit Gitarre genauso aufgenommen, wie er in diesem Moment entstanden ist. Das ist eine echte Momentaufnahme, um den Leuten zu zeigen, wie der kreative Prozess eigentlich abläuft. Da kommt wahrscheinlich wieder die Songwriterin in mir durch. Ich finde: Wenn ein Song im kleinen Besteck am Klavier oder mit einer Akustikgitarre funktioniert, dann funktioniert er in jedem Arrangement. Dann ist es einfach der Song. Es geht um das Handwerk. Deshalb fand ich es total schön zu sagen: ‚Okay, guck, komm – das ist jetzt der letzte Track auf dem Album.'“
Wer diese ganz besonderen Songs selbst mal live erleben will, sollte unbedingt bei der Tour vorbeikommen! TICKETS gibt es direkt hier!

