Eigentlich wollte Schlagersänger Kevin Neon nur einen schönen Moment aus seiner Heimat im Harz teilen: eine Regenbogenflagge über einer Deutschlandflagge. Für ihn standen beide Fahnen dabei für etwas, das zusammengehört – seine Verbundenheit mit seinem Heimatort und die Freiheit, so sein zu dürfen, wie man ist. Doch aus diesem persönlichen Moment wurde auf Facebook ein regelrechter Shitstorm. Zwischen 300 und 600 Kommentare sammelten sich unter seinem Video, viele davon waren massiv beleidigend.
Im Gespräch mit Anika Reichel im „Star-Talk“ von Antenne Schlager erzählt der Künstler, wie es dazu kam, wie sehr ihn die Kommentare trafen und wie er schließlich auf einige der Menschen reagierte, die ihn angegriffen hatten.
Der Shitstorm am 20. / 21. Juni. Rund um die Mittsommernacht und die Sommersonnenwende veranstaltete Kevin Neon gemeinsam mit seinem Partner die „Midsommernacht im Harz“. Beide haben eine Firma gegründet, mit der sie Schlager-Events veranstalten.
Am selben Tag fand ein Deutschlandspiel statt – und bei der Veranstaltung gab es eine Liveübertragung. Mit besten Gedanken wollte Kevin an dem Fahnenmast eine Regenbogen-Flagge hissen, direkt darunter eine Deutschland-Flagge. Er hisste die beiden Fahnen „zack, zack, zack“ und machte dazu ein kurzes Video. Seine Intention erklärt der Sänger im Gespräch mit Anika Reichel ganz klar: „Ich bin stolz auf unseren Ort. Ich bin stolz, dass ich das hier machen kann, so sein darf, wie ich bin.“ Auch das Team, das ihn dabei unterstützt, wollte er damit zeigen und präsentieren. „Hey, ja, ich bin einfach happy und stolz.“ Dann kamen die Kommentare…
Auf Facebook entwickelte sich unter dem Video eine massive Welle von Hass! Zwischen 300 und 600 Kommentare seien es gewesen, erzählt der Künstler. Die Kommentare waren teilweise so heftig, dass er sie im „Star-Talk“ nicht wiederholen möchte. „Das sind sehr, sehr, sehr, sehr krasse Kommentare.“
Wie der Schlagersänger im Podcast erzählt, trafen ihn die Worte auch persönlich. „Man ist in dem Moment emotional berührt, emotional total scheisse, auf Deutsch gesagt.“
Schließlich begann Kevin Neon, die Menschen hinter einigen der Kommentare zu suchen. „Ich hab die Leute gegoogelt, geguckt, wer das ist.“ Dabei merkte er selbst, wie sehr ihn die Situation mitnahm. „Das war so eine Phase dann, wo ich dachte: Okay, mein Ego knallt gerade mit mir durch. Und sonst immer: Ego aus. Nein, es ging nicht.“
Wie der Sänger im Podcast bei Anika Reichel verrät, fand er bei fünf Personen heraus, wo sie arbeiteten. Er schrieb die jeweiligen Arbeitgeber an und erklärte, was die Betroffenen unter seinem Video kommentiert hatten. „Hab einfach die Chefabteilung angeschrieben, hab gesagt: Das ist das Kommentar, was der gemacht hat.“ Von drei Personen bekam er eine Rückmeldung. Die betreffenden Menschen mussten Konsequenzen tragen, die Kommentare wurden gelöscht. Für den Künstler ist klar, dass solche Kommentare nicht einfach gedankenlos entstehen. „Ich finde, die Leute, die das da reinposten, die machen das böswillig, die machen das mit Absicht. Die wollen auch diesen Hate verbreiten.“
Auch eine Anzeige wäre theoretisch eine Möglichkeit gewesen. Doch der Schlagersänger glaubte nicht daran, dass am Ende etwas dabei herauskommen würde. „Klar, kann ich denen jetzt ’ne Anzeige drücken, aber da kommt, sorry, sorry, sorry, am Ende nichts raus, weil diese Person nicht auffindbar ist.“ Stattdessen ging er den Weg über die Arbeitgeber. Rückblickend beschreibt er seine damalige Reaktion sehr offen: „Mit diesem Weg dachte ich mir so: Da hast du jetzt einfach mal zwei, drei Leuten was reingewürgt. Tut mir leid, aber es ist so.“
Bei Anika Reichel betont Kevin Neon abschließend: „Die Fahne bedeutet für mich einfach nur, stolz und so sein zu können, wie wir alle sind. Jeder, jeder, wirklich jeder, auch derjenige, der einen Hasskommentar geschrieben hat.“
Wohl wahr! Jeder Mensch verdient es, so sein zu dürfen, wie er ist – ohne dafür Hass und Ausgrenzung erfahren zu müssen.



