Sie ist eine von denen, die in der goldenen Zeit der Volksmusik auf der Bühne groß wurde und auch heute noch begeistert: Anita Hofmann, die mit der Zeit ging, mittlerweile Popschlager macht – aber eben immer den Wurzeln treu blieb. Was hält sie also vom Aussterben der Schlager-Shows im deutschen Fernsehen – gerade was „Immer wieder sonntags“ angeht? Die Sendung, die Stefan Mross – ein jahrzehntelanger Weggefährte von ihr – mit so viel Herz moderiert? Im exklusiven Interview mit Schlagerpuls.com auf Fuerteventura im Rahmen der „Fly & Help“-Benefizreise „Stars unter Afrikas Sternen“ verriet Anita Hofmann es ganz offen und zeigte sich betroffen. Dabei brachte sie es auf den Punkt und wendete sich auch an die deutsche Politik!
Schlagerpuls.com: Anita, du bist ja seit Jahrzehnten mit der Volksmusik und dem Schlager tief verwurzelt. Wie stehst du dazu, dass es immer weniger TV-Plattformen für Künstler mit Schlagermusik gibt?
Anita Hofmann: „Das ist natürlich für uns Künstler schon ein Problem. Ich hoffe, dass die Fernsehschaffenden und die Radioleute neue Formate entwickeln. Es ist ja auch total legitim, dass man sich weiterentwickelt… aber es ist wichtig, dass sie trotzdem alle Sparten bedienen. Und da gehört in Deutschland zur Tradition und zum Kulturgut nun mal Volksmusik und Schlager dazu. Man darf einfach auch nicht vergessen, dass ein Großteil der Bevölkerung eben die ältere Generation ist. Doch es ist auch wichtig, die jüngere Generation auch an dieser Tradition teilhaben zu lassen. Auch der Schlager und die Volksmusik entwickelt sich ja auch weiter. Daher hoffe ich, dass neue Formate ans Tageslicht kommen oder dass sie vielleicht auch alte Formate wieder aufgreifen. Denn nicht alles, was alt war, ist schlecht.“
Schlagerpuls.com: ‘Immer wieder sonntags endet ja auch nach dieser Saison leider. Wie schade findest du es, dass die Sendung von Stefan, den du ja schon seit Jahrzehnten kennst, abgesetzt wird?
Anita Hofmann: „Da geht es mir wie allen, die diese Sendung und Stefan so sehr schätzen. Wir finden es alle sehr schade. Er hatte tolle Einschaltquoten und er hat es immer gut gemacht. Ich glaube, es gibt niemanden in unserer Branche, der diese Sendung nicht geliebt hat. Und was ich auch sehr an diesem Format schätze, ist, dass es sehr abwechslungsreich immer war… dass viele Künstler, egal ob groß oder klein, die Möglichkeit hatten, dort aufzutreten… eine Plattform hatten. Auch die Location dort im Europa-Park war immer toll. Auch da hoffe ich, dass ein ‚Immer wieder sonntags 2.0‘ entwickelt wird. Denn Schlager und Volksmusik sind ohne ‚Immer wieder sonntags‘ sehr schwer vorstellbar.“
Schlagerpuls.com: Siehst du auch einen großen Verlust, gerade für die Newcomer, die ja durch die Sommerparade auch immer eine tolle Plattform bekamen?
Anita Hofmann: „Absolut, das war für viele ein Sprungbrett. Es war für uns eine tolle Plattform, aber auch eben für den Nachwuchs. Das habe ich sehr geschätzt an ‚Immer wieder sonntags‘ und am SWR, dass sie einfach den etablierten Künstlern genauso wie dem Nachwuchs eine Chance gegeben haben. Ich halte sie für eine wichtige Sendung. Gerade am Wochenende, am Sonntag, haben die Menschen Zeit. Es hat zum Wochenendalltag dazugehört. Da bricht einfach ein Stück Familie weg. Ich hoffe, dass diese Familie wieder zurückkommt.
Dabei ergänzt Anita: Die französische Politik macht es uns vor, dass ein gewisser Prozentsatz an Kulturgut erhalten bleiben muss. Das ist von der Politik vorgeschrieben, wie viel das sein soll. Ich hoffe, dass unsere Politiker da auch mal ein bisschen nach Frankreich schauen, um sich da ein Beispiel zu nehmen. Denn ich finde, einmal in der Woche oder ein bis zwei im Monat dürfte es doch kein Problem sein, eine Stunde Volksmusik und Schlager zu integrieren.“






