In der aktuellen Staffel ist auch der Graf von Unheilig dabei – der eigentlich schon abgesagt hatte. Und das aus traurigen Grund, denn: Nach seinem Vater verlor er auch noch seine Mutter! Im Sender-Interview sprach er jetzt offen wie nie über die Dreharbeiten und betont: Die Sendung war für ihn lebensverändernd und wie eine Therapie! Dabei spricht der Musiker in dem Gespräch tief aus seinem Herzen und findet sehr offene Worte…
Eine Zeit in Südafrika, die für dich immer in Erinnerung bleiben wird?
Der Graf von Unheilig: „Also die Zeit in Afrika bei „Sing meinen Song“ ist für mich absolut lebensverändernd gewesen. Das ist wirklich so. Also das erzähle ich ganz offen. Ich bin als ein anderer Mensch zurückgekommen. Ich habe viel dagelassen, was belastend war und bin zurückgekommen als eine Version von mir selber, die ich eigentlich mir immer so gewünscht habe und nie so richtig erreicht habe.“
Wie bist du denn reingegangen und wie bist du wieder rausgekommen?
Der Graf von Unheilig: „Bei mir ist ja so gewesen, im Vorfeld ist unheimlich viel passiert. Mein Papa ist während der Tour gestorben und meine Mama lag quasi nach der Tour im Sterben. Ich hatte ja „Sing meinen Song“ erst zugesagt und dann auch wieder abgesagt, weil die Situation bei uns privat halt so extrem war, dass ich nicht wusste, ob ich dem Ganzen gewachsen bin. Nun habe ich aber eine tolle Familie, die mich aufgebaut hat, die mir jetzt nicht das Problem gelöst hat, aber den Umgang damit. Daher habe ich entschieden es dann zu machen, weil das komplette Team auch von „Sing meinen Song“ absolut toll reagiert. Sie haben wirklich gesagt: ‚Wir verstehen das, wenn du absagst und nicht kommen kannst und das emotional nicht hinkriegst. Dann kannst du gerne zu Hause bleiben, aber wir lassen dir den Flieger bis zum letzten Tag stehen und wenn du am letzten Tag noch sagen würdest, dass du noch kommen willst, kannst du kommen‘ – da war kein Druck mehr da und aus dem Grunde war das wohl einer der Gründe, weswegen ich dann letzten Endes gesagt habe, ich möchte gern fliegen und auch dahinfliegen‘. Das war wie viele Tage musikalische Therapie. Wir haben viel gelacht, aber auch viel geweint. Und dieser Ort hat was mit mir gemacht, was wirklich lebensverändernd war. Ich bin als ein anderer zurückgekommen.“
Du sprichst von Therapie. Was konkret hat dir denn so sehr geholfen?
Der Graf von Unheilig: „Ich glaube, es ist eine komplette Summe von allem gewesen. Viele, viele Kleinigkeiten, die einfach gut zusammengepasst hatten. Wir hatten super tolle Musiker, tolle Menschen und ich bin schon morgens ab dem zweiten Tag aufgewacht und hatte irgendwie so ein anderes Gefühl. Ich habe dann gemerkt, dass es von Tag zu Tag immer extremer wurde und dass man sich da so lösen kann, weil man da in einer komplett anderen Welt ist. Dieser Ort macht auch irgendwas mit einem. Das haben ja immer alle erzählt, aber ich habe das nie geglaubt. Aber das war bei mir so und ich habe da viel drüber nachgedacht, was da passiert. Ich habe es mir so erklärt… ich glaube, jeder Mensch, der trägt so Päckchen mit sich rum… mit Geschichten, die er erlebt hat, mit so Dingen, die er irgendwo mal eingepackt hat, weil er mal drüber nachgedacht hat, aber sie eigentlich noch nicht so richtig losgelassen hat. Und diese Päckchen kleben so an einem dran und manche Päckchen sind halt schwer und die wiegen auch einfach schwer, wenn du so durchs Leben gehst. Und in Afrika werden die ausgepackt. Du sitzt da auf der Couch, es geht um deine Musik, um deine Geschichten. Und manche Geschichten sind halt der Inhalt dieser Päckchen und die werden da halt ausgepackt und du kannst da eigentlich gar nichts gegen machen. Und wenn dann so ein Abend vorbei ist, bist du wie so gelöst. Du bist leichter, du fühlst dich besser, du bist einfach irgendwie luftiger so und du hast nicht mehr diese Last und das ist wirklich bei jedem Künstler passiert. Das fand ich schon echt grandios. Aus dem Grunde habe ich da viele von diesen Päckchen, die schwer im Leben wiegen, glaube ich dagelassen und die habe ich gar nicht mehr mit nach Hause genommen und das ist einfach toll.“
Würdest du sagen, die Teilnahme bei SMS, war schon immer ein Wunsch von dir?
Der Graf von Unheilig: „Absolut. Also bei mir ist so gewesen. Ich war ja neun Jahre im Exil, da war „Sing meinen Song“ gerade zwei Jahre alt, als ich aufgehört habe mit Musik. Und dann habe ich zu Hause gesessen und meine Frau und haben uns natürlich die Folgen auch angeguckt und ich habe so gesagt: ‚Ach schade, hätte ich gerne gemacht, weil mir das gefällt, was da passiert. Weil da geht es um die Musik, um die Künstler und da wird sich nicht so gebattled.‘ Ich habe immer ein Problem damit, wenn Musiker gegeneinander antreten müssen, wo ich denke, dafür ist Musik nicht da, um rauszufinden, wer jetzt der Beste ist oder so. Darum geht’s eigentlich nicht und es geht glaube ich bei Musikern, die die Lieder auch schreiben immer um die Inhalte und die Geschichten. Bei „Sing meinen Song“ hast du halt diese Plattform, dass du wirklich auch die Geschichten erzählen kannst, und aus dem Grunde – glaube ich – ist das auch so erfolgreich.“
Gib es zu – du hast nur deshalb wieder angefangen, um bei „Sing meinen Song“ dabei zu sein!
Der Graf von Unheilig: „Nee (lacht), aber das war eine von denen. Das ist einer von den großen Wünschen, die sich so schnell erfüllt haben, dass ich eigentlich nicht damit gerechnet habe. Ich habe ja gesagt, ich komme zurück und ich würde gerne vieles – und natürlich auch „Sing meinen Song“ – machen und für andere Sachen wäre ich auch offen, aber man kann das ja nicht planen. Letztenendes wirst du angerufen oder angeschrieben und wirst quasi gefragt. Und als ich da gefragt worden bin, habe ich gesagt, das passt auch zeitlich von der Tour. Und das ist schon was ganz Besonderes. Also, es war für mich ein Wunsch, das zu machen. Dass es jetzt so schnell geklappt hat, hätte ich ehrlich gesagt, nicht gedacht und dass es zum richtigen Zeitpunkt für mich kam. Also, ich muss ganz ehrlich sagen, ich glaube, ich habe da vieles, wie ja schon gesagt, quasi mit nach Hause genommen und vieles dagelassen. Also mir persönlich, mir hat das so ein bisschen meinen emotionalen Arsch gerettet, wenn ich das so mal salopp sagen darf.“
Würdest du „Sing meinen Song“ als dein Comeback betrachten?
Der Graf von Unheilig: „Musikalisch gesehen, emotional auf jeden Fall. Ja, weil ich bin da in einer noch nie dagewesenen Form aufgetreten. Ich habe mich auch sehr geöffnet. Ich würde das jetzt nicht als mein Comeback bezeichnen, weil das Comeback war ja 2025, aber es ist so ein bisschen so ein Unterstrich davon. Es ist so eine Farbe, die Unheilig und ich persönlich jetzt irgendwie mit uns tragen. Ich werde das nie mehr vergessen, das wird immer ein Teil von mir sein, egal wie alt ich werde. Ich werde immer daran zurückdenken und werde diese Zeit niemals vergessen, weil sie halt so emotional war. Und jeder, der das sieht, der wird das auch erkennen. Das war bei allen so. Ich habe schon viele Staffeln gesehen und da gab es welche bei, die einen so richtig mitgenommen haben und da waren auch welche, die ganz normal gelaufen sind, aber es gibt immer so besondere Momente. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass da in Afrika bei dieser Staffel sowas passiert, was ich vorher auch noch nicht im Fernsehen gesehen habe. Ich will das jetzt nicht spoilern oder so, aber es ist für mich etwas, wo ich sage: ‚Alter Schwede‘. Da haben sich so viele Künstler geöffnet, wo wir gar nicht mit gerechnet haben, weil es so besonders war und diese Mischung an Künstlern so gut war. Wir waren wie so Freunde, die da gesessen haben ab dem dritten Tag. Das war so, als wenn wir uns ein Leben lang kennen. Ich würde nicht sagen, dass das mein Comeback ist, aber es ist ein ganz wichtiger Teil vom Comeback, ganz wichtiger Teil.“
Würdest du sagen, es ist etwas ganz Besonderes, dass die Zuschauer euch als Menschen und nicht ausschließlich als Künstler wahrnehmen?
Der Graf von Unheilig: „Das ist ja immer so die Sichtweise der Menschen. Die kennen die Lieder meistens und der Mensch, der Künstler, der dahintersteht, ist ja meistens auf der Bühne nie so offen und so ruhig. Ich glaube, du kannst dich nur öffnen… Das ist wie, wenn du in einer guten Familie bist, dann erzählt man sich ja Dinge, die man auch sonst keinem anderen erzählt und das ist wirklich da so. Das war halt ein ganz besonderer Spirit, da war so eine Magie. Und die hat dann dafür gesorgt, dass wir uns alle, glaube ich, irgendwie musikalisch und auch menschlich und emotional geöffnet haben und die Leute werden das auch sehen… also die blicken schon hinter die Kulissen. Also ich sag mal so, da sind Sachen ausgepackt worden, wenn wir von den Paketchen reden. Ich glaube die wissen viele Leute gar nicht und das war bei fast jedem so. Also nicht bei fast, das war bei jedem so. Ich war recht früh dran und – ich will nicht zu viel verraten – und die Vorgängerin, die vorher den Abend hatte, sagte zu mir: ‚Es wird dich treffen wie eine Walze.‘ Und ich so: ‚Quatsch, das kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin über 50, bin gestandener Mann im Leben. Ich habe so viel erlebt.‘ Aber im Hintergrund habe ich gedacht, irgendwas ist da und es war so und das hat jeden getroffen wie eine Walze. Also du sitzt da, wenn du deinen Abend hast und du rechnest eigentlich mit gar nicht viel und du denkst es geht um Musik, du kannst was erzählen. Klar wird man emotional, aber das ist was ganz anderes. Ich war schon echt in vielen Shows, aber das, das kannst du überhaupt nicht vergleichen, also gar nicht. Es gibt ja Künstler, die da nicht hingehen wollen. Die werden angefragt, das habe ich ja auch mitbekommen, und die sagen dann: ‚Nein, ich sehe mich da nicht. ich weiß nicht.‘ Ich kann nur jedem Künstler sagen: ‚Jeder, der das nicht annimmt, der diese Chance nicht wahrnimmt, der macht ’n Fehler.‘ Das sage ich ganz ehrlich, ich mach jetzt hier keine Werbung für „Sing meinen Song“, ich bin jetzt nicht die Werbefigur, ich krieg da auch kein Geld für, aber ich kann es nur aus meiner persönlichen Erfahrung sagen: ,Hey macht das. Egal wie alt ihr seid, egal wie jung ihr seid. Macht das, weil das bringt einen weiter… wirklich‘.“
Ich hörte, du warst derjenige, der am meisten geweint hat?!
Der Graf von Unheilig: „Ich sag ja, ein paar Tage Therapie. Ja, ich bin ein emotionaler Mensch, aber ich hatte ja auch ein Comeback im Fernsehen, da habe ich ja auch nur geheult. Aber das ist auch so. Man muss dazu sagen und das ist auch logisch, mein Leben besteht im Augenblick nur aus Emotionen. Die Geschichten mit meinen Eltern, ich habe ein Comeback gemacht, ich hatte 2025 Verdacht auf Herzinfarkt, ich bin während der Tour gestürzt und mein Leben hat sich komplett geändert. Du stehst plötzlich in einer Welt, die heute vor einem Jahr eine andere war. Und dann gehst du dahin und dann erzählst du von deinen Geschichten in den Liedern, die geschrieben worden sind, um mit diesen Situationen klarzukommen… ob es ‚Mein Löwe‘ war für meine Mama.. oder ob es andere Lieder sind. Das kommt dann da hoch und das packst du aus. Ich hatte in der letzten Zeit keine Möglichkeit das zu verarbeiten, aber da konnte ich das. Aus diesem Grunde bin ich derjenige gewesen, der am meisten geheult hat. Aber ich habe im Vorfeld schon gesagt: ‚Leute wundert euch nicht. Das wird die verheulteste Staffel von allen. Nicht weil ihr weint, sondern weil ich dabei bin.‘ Ich bin noch ein Mensch, der das dann auch nicht zurücknimmt und ich habe mir natürlich auch Lieder ausgesucht von anderen Künstlerinnen und Künstlern, wo ich mich drin wiederfinde. Die sind so emotional gewesen, weil da haben andere Künstler ’nen Text geschrieben, ein Lied geschrieben, was so auf mein Leben passt. Und wenn du das dann nimmst und du machst das zu deinem, dann fühlst du das auch. Wir haben uns in den Armen gelegen und ich war nicht der Einzige, der geheult hat. Ich habe es nur am meisten gemacht, aber eigentlich sind bei jedem Tränen geflossen. Es gab keinen, der nicht geweint hat, keinen.“
Was ist denn wichtiger, die gute Musik oder die guten Gespräche?
Der Graf von Unheilig: „Also ich sag mal so, wenn du da reingehst, denkst du nicht an die Sendung. Da bist du der Mensch, der da sitzt. Aus dem Grunde ist es eine Kombination von der Musik und den Gesprächen vorher, weil die Gespräche öffnen so ein Paket, wovon ich eben gesprochen habe, aber die Musik holt es raus. Du holst das ja raus, um es zu singen. Also es ist eine Kombination von noch mehr. Es ist der Ort, es ist das Umfeld. Man muss dazu sehen, „Sing meinen Song“ geht jetzt ins 13. Jahr und alle Menschen, die ich da getroffen habe, machen das seit 13 Jahren. Das heißt, das ist ein eingeschweißtes Team, das ist ’ne große Familie und in diese Familie kommst du rein und denen kannst du blind vertrauen. Das merkst du schon nach einer Stunde und da kannst du dich fallen lassen, das merkst du. Ich glaub, das ist ’ne Kombination von den Menschen, die da arbeiten, der Ort, wo es gemacht wird, die Gespräche, die auf der die auf der Couch dann stattfinden und natürlich die Lieder, die dann gesungen werden, über die man dann redet. Und alle, die dagesessen haben, schreiben ihre Lieder selber. Das heißt, das sind Künstler durch und durch, sehr emotionale Menschen, alle sehr empathische Menschen, weil sonst würden sie das nicht machen, was sie machen. Und daher würde ich sagen, das ist ’ne Kombination aus ganz vielem.“
Inwiefern inspiriert dich „Sing meinen Song“ und könnte es vielleicht sogar deine Musik verändern? Ich nehme da mal Sarah Connor als Beispiel, die seit SMS ausschließlich deutsch singt.
Der Graf von Unheilig: „Ich kann mich schon besser reflektieren, weil ich einfach einenn freieren Blick habe. Also, ich bin ja leichter im Kopf. Ich habe da Dinge emotional erlebt, die mir schon geholfen haben mit dem Leben klarzukommen. Bei mir ist das so, ich mache Musik und schreibe mir das Leben ja selber in den Liedern, um mit dem Leben klarzukommen. Wenn ich natürlich besser mit dem Leben klarkomme, kann ich auch andere Lieder schreiben. Du wirst da auch so bestätigt in dem, was du tust, weil du Kollegen und Musik und quasi Musiker um dich herum hast, die die dir so ein Abend schenken, die dir diese Lieder schenken da wirst du schon selbstbewusster drin, das zu machen, was du machst. Ich glaube, das war bei ihr wahrscheinlich auch damals so. Sie hat das da versucht, auf Deutsch zu singen und sie hat diese Bestätigung bekommen, dass du als Künstler, dass sie als Künstlerin das auch kann. Und das glaube ich, nehme ich auch mit. Ich meine, ich mache das jetzt schon lange. Ich habe natürlich auch eine Bestätigung durch Konzerte, durch Auftritte, durch irgendwelche Preise, aber wenn du die von Musikern bekommst, von Kollegen, die du auch bewunderst, ist das noch eine andere Hausnummer. Und ich glaube, das macht auch was mit dir und mit mir macht es auch was. Ich bin kreativer seitdem. Wenn du mich so fragst und ich überlege über die Frage nach würde ich sagen ich bin kreativer als vorher.“
Quelle: VOX






