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Peter Maffay spricht über seinen „Song Trip“ nach Nashville und nicht umgesetzte Auswanderungspläne

Peter Maffay spricht über seinen „Song Trip“ nach Nashville und nicht umgesetzte Auswanderungspläne

Spannend!

© ZDF/Stefan Cordes

Deutschlands erfolgreichster Musiker spricht im Sender-Interview über seinen „Song Trip“ nach Nashville, brückenbauende Begegnungen, sein Familienleben in Dur, Weltbilder in Moll, ad acta gelegte Auswanderungspläne und neues Hitpotential mit alter Melodie.



Was hat Sie dazu bewogen, am „Song Trip“ teilzunehmen?

Als die Anfrage kam – und die Frage, ob wir bereit wären, da mitzumachen, habe ich sehr spontan ja gesagt, weil mir dieses Format sehr wichtig scheint. Und richtig. Und gerade in der heutigen Zeit mit den ganzen Konflikten, die wir überall auf der Welt erleben, ein positives Signal dafürsetzt, dass es auch anders geht, als aufeinander zu schießen: nämlich sich über Musik zu treffen, auf gleicher Augenhöhe miteinander Kulturen zu verweben – wir brauchen solche Beispiele, um klar zu machen, dass es auf der Welt auch harmonischer zugehen kann und friedfertiger und die Begegnungen mit Respekt passieren können.

Sie haben in Nashville Clubs besucht und sich quasi „unters US-Volk“ gemischt?

Dann kommt man zwangsläufig mit Leuten zusammen, und das ist normales Publikum. a, auch mit denen haben wir gesprochen und haben uns auseinandergesetzt. Aber man lebt dann quasi eine gewisse Zeit lang in einer anderen Umgebung und läuft mit weit geöffneten Augen und Ohren durch die Gegend und versucht, so viel wie möglich aufzunehmen. Auch möglicherweise, Vorurteile zu begraben, die manchmal entstehen können, wenn man auf eine solche Situation aus der Entfernung guckt. Es ist was anderes, ob man da ist oder ob man von draußen draufguckt. Ja, und das ist auch was anderes dann, wenn man mit Leuten spricht, die sich öffnen, so wie das bei David der Fall war, und seiner Familie. Die haben uns reingucken lassen in ihr Leben und in die Prioritäten in ihrem Leben.

David Graham, Ihr Gastgeber, ist nicht nur in Nashville ein bekannter Honky-Tonkin-Sänger. David selber tourt ja irgendwie 300 Tage im Jahr. Das muss man sich ja mal vorstellen, 300 Konzerte im Jahr zu spielen, bedeutet, dass man dauernd unter Menschen ist. Dass man dauernd Menschen beobachtet und mit deren Problemen und Belangen zu tun hat, und ich geh auch raus, um Menschen zu treffen und aus den Begegnungen mit Menschen irgendwie etwas zu ziehen, was für mich sinnvoll ist.



Was haben Sie aus Ihren Begegnungen in Tennessee an neuen Erkenntnissen und Sichtweisen mit nach Deutschland genommen?

Na ja, wenn man, wenn man die Entwicklung der letzten Monate oder Jahre sieht, dann radikalisiert sich eine Gesellschaft nach der anderen in einer Geschwindigkeit, wie wir es früher nicht für möglich gehalten haben. Also versucht man dann auch ein bisschen in die Rolle der anderen zu steigen, so gut es geht, und sich zu fragen: Aus welchen Gründen heraus verhält sich eine Nation, so wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten im Augenblick , ja. Die Zerrissenheit, die wir von draußen feststellen, die gibt es tatsächlich.

Aber man darf die ganze Nation nicht verallgemeinern. Gibt es auch viele, die anders denken und die fortschrittlich denken und das nimmt man wahr, wenn man da ist, ja. Nicht alle radikalisieren sich. Ganz im Gegenteil. Und wenn man da hinreist, ist man schon gespannt auf die Reaktion der Menschen. Meine Wahrnehmung ist, dass eben (ich habe es vorhin schon gesagt) nicht alle gleich sind. Es gibt solche, die den Kurs der Regierung mitfahren. Es gibt andere, die das falsch finden. Und diese Beobachtung aus der Nähe zu erleben, das war mir wichtig bei diesem Trip.

Nashville ist die Geburtsstätte des Rock’n’Roll. Wollten Sie deshalb dorthin reisen?

David haben wir, meine Frau und ich, als wir einen Trip gemacht haben durch die Staaten vor drei Jahren, das erste Mal zu Gesicht bekommen. Wir sind den Broadway runtergelaufen, und dann spielte er mit seiner Band in einem dieser Clubs.

In Nashville gibt es also auch einen Broadway?

Es gibt ja den Broadway mit all diesen Clubs schon lange. Und das ist das Herz von Nashville. Dort wird rauf und runter gespielt in jeder Bar, vielleicht 50 auf der anderen Seite und 50 auf der anderen. Also da fliegt einem einiges um die Ohren. Wohlklingend, das muss ich sagen. Denn das Niveau der Musiker ist großartig. Da haben wir ihn das erste Mal gesehen. Und dann vor voriges Jahr im April, als wir wieder da waren, zusammen mit ein paar Freunden, liefen wir an derselben Bar vorbei, ohne etwas zu denken. Und die Jungs standen wieder drin und spielten. Also das war schon ein frappierende, ein frappierende Zufall. Wir haben dann Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, ob er bei diesem Song-Trip-Format mitmachen würde und hat spontan ja gesagt. Also besser hätte das nicht passieren können, denn das war und ist für mich eine schöne Möglichkeit gewesen, Berührung zu finden mit authentischen Musikern, die mit (sagen wir mal) mit der Muttermilch diese Form von Musik mitbekommen haben in ihrer Entwicklung. Und das ist noch einmal etwas anderes, als wenn man diese Dinge versucht nachzuspielen. Es gibt einfach Instrumentalisten, die ihre Instrumente so beherrschen, wie man es nur kann, wenn man damit aufgewachsen ist. Das war für mich eigentlich so der attraktivste Aspekt dieser Reise, ja.



David führte Sie zu den „Heiligen Stätten“ in Nashville: zum Kult-Radiosender WSM, in den legendären Club „Laylas HonkyTonk“ und in die „Blackbird Studios“. Welches Erlebnis war das beeindruckendste?

Also das „Blackbird Studio“ (Sie erwähnten das als Letztes), das ist schon ein Mekka. Da sind Leute hingegangen, um Musik zu machen und aufzunehmen, von denen man weiß, dass sie Legenden sind: Dolly Parton, Johnny Cash, um nur zwei zu nennen, und viele, viele andere. Wenn man da reingeht, dann riecht man das förmlich, dass da Geschichte in den Wänden hängengeblieben ist. Abgesehen davon, dass in allen Ecken dieser Studios (sind ja mehrere) wertvolle Instrumente herumstehen, die man dann auch spielen darf. Ich durfte ja, ich bin auch damit sehr vorsichtig umgegangen. Und für mich war das eine tolle Erfahrung. Die Studios sind hervorragend ausgerüstet. Das sind großartige Toningenieure, die da arbeiten. Dort wird wirklich handgemachte Musik praktiziert, ja. Und das ist das, was mich am meisten gereizt hat. Also wenn man, wenn man da drin arbeitet, dann fällt irgendwie alles andere von einem ab, und man befindet sich in einem Kokon. Ein sehr, sehr schönes Gefühl.

Werden diese Tage in Nashville bei Ihnen auch musikalische Spuren hinterlassen?

Ja, das kann ich mir vorstellen. Das, was wir sind, entsteht, glaube ich, durch Begegnungen. Und diese Begegnung mit David, mit dieser Szene, mit dieser Stadt, mit der Kultur, mit den Menschen, die dort verkehren. Das wird sich irgendwo eingraben, denke ich. Und irgendwann kommt da auch dieser Impuls wieder zum Vorschein, und der arbeitet. Das kann ich mir gut vorstellen.



Bei den Zuschauer*innen wird vor allem ein Ohrwurm hängen bleiben: „Starlight in the night“, eine mit David in Nashville entstandene englischsprachige Version Ihres Hits „Sonne in der Nacht“.

Naja, dieser Song ist im Grunde genommen uralt. Wir haben den irgendwann geschaffen 1985, (lacht) vergangenes Jahrhundert. Und er ist zu einem festen Bestandteil unseres Repertoires geworden. Wir spielen diesen Song im Grunde genommen bei jedem Konzert. Und wenn wir das nicht täten, da , glaube ich, hätten wir ein Problem mit unserem Publikum. Aber in dieser Variante gab es ihn bis jetzt noch nicht. Und mmh… wenn wir ihn spielen, dann werden wir merken, was der Song mit unserem Publikum macht. Sollte das Interesse größer, dann werden wir mit dem Song etwas anfangen. Wenn nicht, dann haben wir eine schöne Erfahrung damit gemacht.

Bei „Song Trip“ bekommen die Zuschauer*innen auch private Einblick in Ihr Familienleben. Einfach rührend, wie Sie mit Ihrer kleinen Tochter am Klavier sitzen. Und Ihr Sohn stand mit Ihnen in Nashville sogar auf der Bühne. Musik spielt offenbar auch bei Ihren Kindern eine große Rolle.

Ja, das tut es. Also ich bin wahnsinnig dankbar dafür, dass ich Berührumgen bekommen habe mit der Musik. Zwangsläufig. Meine Mutter war eine sehr dominante Frau, und sie verdonnerte mich, als ich, als ich klein war, zum Geigenspiel. Damit habe ich also mein Umfeld terrorisiert. Weil: Wenn man Geige eben nicht gut spielen kann, dann ist das fürchterliche Sache. Und als ich dann 14, 15 war und in einer Band anfing zu spielen, tat sich eine Tür auf, von der ich nicht geahnt habe, dass sie irgendwann mal so in einen Raum hineinführt, der so bestimmend in meinem Leben ist , ja. Ohne Musik kann ich mir ein Leben nicht vorstellen. Und ich wünsche eigentlich jedem, vor allem jungen Menschen, dass sie Berührung mit Musik bekommen, weil Musik so ein wunderbares Mittel ist, sich selber zu erfahren, andere zu erfahren, Begegnungen zu haben. Musik ist eine Weltsprache. Man mag vielleicht die Sprache eines Gegenübers nicht sprechen. Wenn man musiziert, kann man ihn trotzdem erreichen. Wenn also in der Familie dieses Interesse da ist zu musizieren, dann freut mich das, weil ich weiß, dass es meiner kleinen Tochter zum Beispiel irgendwann mal helfen wird in schwierigen Situationen. Man kann sich zurückziehen, und Musik ist wie ein Medikament, das man nimmt, wenn es einem schlecht geht. Wenn Kinder Musik machen, das ist wunderbar. Man muss sie aber manchmal ein bisschen anschieben. Das Interesse wirklich so weit zu bringen, dass aus eigenem Antrieb dann die Fortsetzung passiert.



Stimmt das Gerücht, dass Sie 1969 erwägt hatten, nach Amerika auszuwandern, um Ihren Vorfahren zu folgen?

Ja, meine Oma, die Mutter meines Vaters – die Familie war nach den Kriegswirren aus Rumänien ausgewandert und in die Staaten ausgewandert. Die Familie, mein Onkel, meine Cousins und Cousinen, lebten ebenfalls da. Und wir wollten im Grunde genommen auch nach den Staaten auswandern. Sind dann Gott sei Dank in Deutschland hängengeblieben, worüber ich im Rückblick nur froh bin.

Ich fühle mich als Europäer und bin dankbar dafür, dass wir in Deutschland aufgenommen worden sind und dass man uns Platz geschenkt, hier zu leben. Und das wird immer so sein. Nichts destotrotz, ich habe meine Familie natürlich gerade in den Anfängen besucht. Aber es hat nicht dazu geführt, dass wir unsere Zelte dort aufschlagen würden. Und ich glaube auch, dass es so bleiben wird.

In Deutschland sind Sie bereits in die Geschichte als erfolgreichster Musiker eingegangen, halten den Rekord mit 21 Nummer-Eins-Alben.

Ich fühle mich ganz einfach als Europäer. Ich bin deutscher Staatsbürger geworden, und meine Einbürgerungsurkunde hängt über meinem Schreibtisch. Das ist ein ganz, ganz einschneidender Augenblick in meinem Leben gewesen, als wir die bekommen haben. Und ich fühle mich einfach diesem Land auch ein bisschen verpflichtet.

Was wünschen Sie Deutschland, was Amerika?

Ich wünsche Deutschland, Amerika und allen Gesellschaften (das klingt jetzt vielleicht ein bisschen platt) einen harmonischen Umgang miteinander, einen respektvollen Umgang miteinander. Und ich hoffe, dass wir in politischer, geopolitischer Hinsicht doch noch die Kurve schaffen hin zu einer einigermaßen Normalität.

 

 

Die neue Staffel „Song Trip“ mit Peter Maffay, Yvonne Catterfeld, Nico Santos und Rea Garvey ist ab 29. Juni im ZDF-Streamingportal verfügbar. Im ZDF ausgestrahlt werden die vier Folgen ab 17. Juli immer freitags um 23.30 Uhr.

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Kevin Drewes

Bundesweit und auch über die Grenzen hinaus für seine stets sehr professionelle, ehrliche und vertrauensvolle Berichterstattung geschätzt, versorgt Euch Chefredakteur Kevin Drewes täglich mit exklusiven und topaktuellen News aus der Welt des Schlagers! Hier wird mit Herzblut geschrieben!

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