„Zwei wie Pech und Schwefel“ singen Matthias Reim und Julian Reim bei den gemeinsamen Konzerten von Matthias. Und das sind sie auch, passender könnte man ihre besondere Verbindung kaum beschrieben. Ein eingeschweißtes Vater-Sohn-Gespann. Doch nach drei Jahren wird Julian pflügge und verlässt die Band seines Vaters nach der aktuellen Tour, wie er im exklusiven Interview mit Schlagerpuls.com jetzt enthüllt. Offen sprach er mit uns über die Beweggründe, wie schwer ihm der Abschied fällt – aber auch darüber, warum sich der Schritt genau jetzt richtig anfühlt. Dabei verriet der Künstler auch, wie es nun für ihn weitergehen wird!
Schlagerpuls.com: Julian, wie sehr genießt du die Zeit mit deinem Vater? Auch dieses Jahr bist du ihm und der Band ja wieder auf Tour.
Julian Reim: „Ich bin seit drei Jahren Teil des Chors, und das ist wahrscheinlich die schönste Zeit meines Lebens bis jetzt gewesen. Musik machen zu dürfen – und das wirklich in einem Rahmen, der so unglaublich professionell, groß und Rock ’n’ Roll ist – und gleichzeitig diese Zeit mit meinem Dad verbringen zu können, ist etwas ganz Besonderes.
Klar, du hast ihn als Vater und gehst in die Schule. Aber Jahre später wirklich mit ihm von Hotel zu Hotel zu reisen, Teil seiner Band zu sein, von der Band angenommen zu werden, gemeinsam auf die Bühne zu gehen und drei Jahre lang durch ganz Deutschland zu touren – das ist etwas völlig anderes. Die Freundschaft, die Matthias und ich in dieser Zeit aufgebaut haben, würde ich wirklich jedem wünschen. Also, mein Tipp an alle da draußen, die ihrem Dad wieder näherkommen wollen: Geht mit ihm drei Jahre lang auf Tour. Besser geht es nicht.“

Dabei gesteht er offen: „Ich bin deswegen aber auch ein bisschen traurig, muss ich sagen. Ich werde dieses Jahr 30 und möchte natürlich auch meine Solokarriere verfolgen. Matthias’ Bühne ist der beste Ort der Welt, um zu lernen, auf der Bühne zu stehen. Es gibt kein freundlicheres Publikum, keine coolere Band in Deutschland, keine größere Produktion, die ich kenne, und kein vertrauteres Verhältnis der Leute untereinander.
Als er dann gesagt hat, dass er die ’35 Jahre Reim‘-Tour macht und wir das Album „Reim“ von Anfang bis Ende durchspielen, wusste ich: Das ist ein besonderer Augenblick. Ich hatte seit Jahren eine Schallplatte des Originalalbums „Reim“. Meine Mom hatte sie noch original verschweißt im Keller. Um die Texte und Titel zu lernen, habe ich diese Platte geöffnet. Ich habe mir geschworen: Erst einmal lerne ich die Songs mit der Platte – Text für Text, Wort für Wort.
Und es ist schwer, in Worte zu fassen: Das ist das Album, wegen dem es mich gibt. Jeder Song nach „Verdammt, ich lieb dich“ wurde eigentlich quasi für meine Mum komponiert. Meine Mutter war dabei, als das Album so explodiert ist. Meine Mutter war mit auf Tour, war mit auf der Bühne – und dann haben die mich gekriegt. Das ist der Anfang von allem, was ich bin. Nicht nur von Julian Reim, sondern auch von dem Namen Reim. Dieses Album gemeinsam mit ihm auf der Bühne performen zu dürfen, fühlt sich an, als würde sich ein Kreis schließen. Und danach kann es für mich nicht mehr besser werden.
Deswegen habe ich diese Platte bei mir in meiner Schallplattensammlung stehen, und ich werde sie zu meinem letzten Konzert mitnehmen. Ich möchte sie von der gesamten Band und von Matthias unterschreiben lassen. Dieses Album ist 35 Jahre alt, und ich habe es dieses Jahr zum ersten Mal komplett durchgehört. Es ist das Album, das mich auf eine Art und Weise mitgeboren hat. Und jetzt darf ich dieses Album gemeinsam mit ihm von Anfang bis Ende singen. Er hat dieses Album zuvor noch nie auf einer Tour komplett gespielt oder gesungen. Das erste Mal, dass er dieses Album komplett von vorne bis hinten singt, stehe ich mit ihm auf der Bühne. Da steckt so viel Magisches drin, so viel Schicksal und Bedeutung, dass ich denke: Wenn ich danach weiter in der Band bleibe, kann es nicht mehr größer werden als das. Es kann nicht bedeutsamer werden.“
Schlagerpuls.com: Fällt dir der Abschied schwer?
Julian Reim: „Es bricht mir das Herz, diese Band zu verlassen und irgendwie auch Matthias dort zu verlassen. Ich meine, ich weiß, die werden es überleben. Aber als das zum Thema wurde, wusste ich: Ich werde mit dieser Platte auf die Bühne gehen. Und die letzte Unterschrift, die ich gerne auf dieser Platte hätte, ist die von meinem Dad – beim letzten Konzert, nachdem wir dieses Album ein Jahr lang gespielt haben. Dann werde ich 30, und dann ist die Zeit gekommen, dieses Kapitel für mich hinter mir zu lassen.“
Schlagerpuls.com: Das heißt, du wirst dich dann verstärkt auf deine Solokarriere konzentrieren und eigene Konzerte spielen. Ich finde, das ist definitiv auch ein guter Zeitpunkt. Wenn es sich gut anfühlt und wenn es am schönsten ist, ist es Zeit zu gehen.
Julian Reim: „Es ist gerade so schön. Ich meine, die Band war schon immer sehr harmonisch und die Konzerte waren immer toll, aber dieses Jahr ist irgendetwas Magisches dabei. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Wenn du Matthias noch einmal live siehst: Dieses Album zu spielen, bringt so viel hoch. Und ich habe in diesem Album auch Dinge gefunden – es ist, als würdest du deine eigene Vorgeschichte hören.“
Schlagerpuls.com: Was hast du dir für Ziele gesetzt? Was hast du vor?
Julian Reim: „Ich habe jetzt mal wieder sehr, sehr gute Nummern am Start. Gerade erst letzte Woche habe ich ein Musikvideo gedreht. Ich kann und darf leider noch nicht verraten, was es wird. Aber ihr werdet es zeitnah erfahren. Es ist ein sehr, sehr spannendes Thema.
Und was meine nächsten Ziele angeht: Ganz ehrlich, ich glaube, nach dem Album wusste ich in meinem Kopf wirklich nicht, wohin die Reise geht. Ich war ein bisschen verloren. Ich wollte noch einmal einen Song wie „Euphorie“ schreiben, aber ich konnte nicht wieder so einen Song schreiben. Denn so einen Song kannst du nur einmal schreiben. Deswegen hatte ich eigentlich diese Pause – also diese kleine Pause vom Showgeschäft, in der ich hauptsächlich mit Matthias auf Tour war. Natürlich habe ich meine Singles veröffentlicht. Natürlich war ich mal im Fernsehgarten oder bei ‚Immer wieder sonntags‚. Aber ich habe mir eine kleine Pause vom Berühmtsein gegönnt, um zu lernen und irgendwie herauszufinden: Was ist eigentlich das, was ich möchte?
Denn ich bin extrem glücklich auf der Bühne als Bandmitglied. Ich bin extrem glücklich im Studio. Aber ich bin auch extrem glücklich, wenn ich vor den Leuten stehe, sie mich anlächeln, meine Texte mitsingen und ich eine gute Zeit mit ihnen habe. Herauszukristallisieren, wohin die Reise gehen soll, ist aber noch einmal etwas anderes. Denn ich habe in den letzten Jahren zum Beispiel gemerkt: ‚In meinem Kopf‘ habe ich mit Anfang 20 geschrieben. Die Person, die ich damals war, bin ich aber nicht mehr. Aber was mache ich dann musikalisch, wenn ich meinen Stil verloren habe? Deswegen habe ich mich ein bisschen auf die Suche gemacht. Und ich liebe auch die Songs, die ich seitdem veröffentlicht habe. Aber ich habe sehr lange nach einem authentischen Weg gesucht. Und ich glaube, den habe ich jetzt gefunden.“
Keine Frage, Julian Reim hat genau den richtigen Moment gefunden, um jetzt eigene Wege zu gehen. Einen sehr starken Vorgeschmack auf die Zukunft ist dabei auch sein aktueller Song „Aloe Vera“, mit dem er über uns im zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews sprach. Dazu in Kürze mehr.



