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Markus Norwin Rummel exklusiv über seine Arbeit mit den Schlager-Größen: „Ich schreibe gerne Ohrwürmer“

Markus Norwin Rummel exklusiv über seine Arbeit mit Schlager-Größen: „Ich schreibe gerne Ohrwürmer“

Spannend!

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© Kevin Drewes / Schlagerpuls.com

Seit nunmehr fünf Jahren hat Produzent, Komponist und Texter Markus Norwin Rummel sein eigenes Studio in Hamburg, schafft dort regelmäßig Hits für Stars wie Semino Rossi, Kerstin Ott, Ben Zucker und Roland Kaiser. Er ist einer der gefragtesten seiner Zunft. Doch wie genau arbeitet Rummel? Schlagerpuls.com traf ihn in seinem Studio exklusiv, wo uns das Multitalent spannende Einblicke gab… und sehr ausführlich über seine Arbeit sprach. Dabei wurde schnell deutlich: Rummel ist zielstrebig, professionell und geht mit sehr viel Herz an jeden Song ran – ob für Newcomer oder Topstar…


Schlagerpuls.com: Markus, was einst in deinem Kinderzimmer begann mündet seit 2021 hier in deinem eigenen Studio, wo du für die Topstars des Schlagers arbeitest. Was geht, wenn du zurückblickst, in dir vor?

Markus Norwin Rummel: „Ich freue mich darüber, dass ich drangeblieben bin, weil das ein paar Jährchen gedauert hat. Ich mache das jetzt seit fast 15 Jahren hauptberuflich. Am Anfang kriegst du von allen Seiten eigentlich immer nur Warnungen wie ‚Du solltest das nicht machen‘. Und wenn du dann aber noch gar nichts vorzuweisen hast, ist es auch manchmal schwer wegzuhören, weil du dir dann denkst: ‚Na, vielleicht ist ja was dran‘. Es ist einfach weiterzumachen, wenn du gerade Erfolg mit etwas hast – aber es ist viel schwerer dranzubleiben, wenn es mal so gar nicht läuft. Ich habe auf alle Fälle ein paar Jahre gebraucht, bis sich die größeren Erfolge eingestellt haben und trotzdem ist es rückblickend auch schon einfach ein Erfolg, wenn man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wenn ich jetzt auf die letzten fünf Jahre zurückblicke, dann ist da natürlich am meisten passiert. Um aber diese fünf Jahre zu bekommen, musste ich auch erst mal zehn Jahre daraufhin arbeiten.“

Schlagerpuls.com: Weisst du noch, womit für dich im Schlager alles anfing?

Markus Norwin Rummel: „Ich weiß noch, dass ich meinen ersten Schlager während meines ersten Musikstudiums 2010 geschrieben habe. Bevor ich in Osnabrück Musik mit dem Schwerpunkt auf Pop und Musikproduktion studierte, hatte ich knapp zwei Semester in Baden-Württemberg einen etwas künstlerischeren Studiengang angefangen. Dort war man aber nicht so angetan von meiner Popmusik oder gar vom Genre Schlager und das hat mir auch gezeigt, dass ich dort nicht richtig war. Ich wollte immer schon Musik für die breite Masse machen, weil ich gerne Menschen erreichen will –  sowohl mit Texten, die zum Nachdenken anregen, als auch mit Melodien, die sie nicht mehr loslassen. Ich schreibe gerne Ohrwürmer. Als ich mich vor 15 Jahren selbständig machte, merkte ich schnell, dass die Nachfrage nach Schlagertiteln größer war als die, nach Poptiteln. Das liegt auch mit daran, dass im Pop mehr ausübende Künstler selbst ihre Titel schreiben und im Schlager – zumindest zu dem Zeitpunkt –  weniger Künstler selbst schreiben. Das heißt, der Bedarf an externen Titeln war größer im Schlager. Zu diesem Zeitpunkt hat der Schlager auch eine Wendung gemacht und wurde über die Jahre immer poppiger und jünger. Der Schlager, den wir heute hören oder auch eigentlich fast alles, was hier in meinem Studio an der Wand hängt, ist irgendwo auch Popmusik vom musikalischen Ansatz. Von der Mache her hat es gar nicht mehr so viel mit dem ursprünglichen Schlager zu tun, wie wir ihn von ganz früher kennen… das meine ich komplett positiv! Es mischt sich einfach sehr und dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich da gut was zu beitragen kann. Ich habe dann einfach fleißig Titel geschrieben und bin nach und nach in die Branche gekommen… hatte Kontakt mit verschiedenen Plattenfirmen und Musikverlagen, die Titel suchten. Und wenn du das länger machst, dann lernst du immer mehr Leute kennen… und auch irgendwann die Künstler, hast dann einige Veröffentlichungen und dann kommt alles ins Rollen.“


Schlagerpuls.com: Vor allem mit Semino Rossi, Ben Zucker und Kerstin Ott hast du schon viel zusammengearbeitet. Wie würdest du die Zusammenarbeit beschreiben?

Markus Norwin Rummel: „Von den genannten Künstlern hatte ich im Studio am meisten mit Semino Rossi zu tun. Ich habe da die Produktion mit dem Produzenten Thorsten Brötzmann geteilt und die Aufgabenverteilung bei uns war insbesondere bei Kerstin Ott als auch Ben Zucker so, dass ich überwiegend die Arrangements und das Mixing gemacht habe. Das heißt ich habe ein Demo bekommen und mir überlegt: ‚Wie kann das klingen?‘, die verschiedenen Instrumente arrangiert und über ein Midi-Keyboard eingespielt, also das musikalische Grundgerüst gebaut… später habe ich dann abgemischt und meistens haben wir gemeinsam hier in meinem Studio fertiggestellt. Bei Semino Rossi hingegen hatten wir auch öfter gemeinsam aufgenommen… das hat sehr viel Spaß gemacht. Er hat einen ganz feinen Charakter, ist sehr wertschätzend und immer gut vorbereitet.

Schlagerpuls.com: Auch das letzte Studioalbum von Howard Carpendale hast du co-produziert. Spürt man da Druck, wenn man für solch eine Legende arbeitet?

Markus Norwin Rummel: „Der Druck entsteht eher durch Timings, die dir von extern gegeben werden. Da hängt ja ein großer Apparat hinten dran, das kann schon mal für Druck sorgen. Das hat aber nichts mit den Künstlern zu tun. Ich frage mich grundsätzlich immer, bevor ich einen Job annehme, ob ich den gut machen kann. Wenn ich das Gefühl hätte, das ist nichts für mich‘, dann würde ich den nicht machen.

Schlagerpuls.com: Mit Anna-Maria Zivkov hast du auch schon für eine junge Newcomerin gearbeitet. Was reizt dich daran, für noch jemand so „Unverbrauchtes“ Songs zu schaffen?

Markus Norwin Rummel: „Ein großer Unterschied bei der Arbeit für Newcomer, im Vergleich zu etablierteren Acts, ist natürlich, dass man noch nicht alles erzählt hat. Je länger jemand dabei ist, desto mehr hat er schon erzählt und desto schwieriger kann es manchmal auch sein, etwas zu finden was wirklich noch neu ist. Sonst läuft man Gefahr, dass es heißt: ‚Der wiederholt sich‘. Das will man ja nicht. Andererseits ist die Erwartungshaltung bei einem etablierten Act eine ganz andere. Das ist das, was Du eben vielleicht auch bei der Frage zum Thema „Druck“ meintest. Natürlich haben die Künstler auch einen gewissen Druck, an den letzten Hit ranzukommen oder im besten Fall, den zu übertreffen. Es gibt ja das krasse Beispiel von Michael Jackson. Nach dem meistverkauften Album der Welt, ‚Thriller‘, wirkte der Nachfolger „Bad“ für ihn wie eine Niederlage – dabei lief das Album alles andere als schlecht. Wenn du mal einen richtig großen Erfolg hattest, geht es irgendwann immer mal wieder runter und das gib es bei den Newcomern natürlich noch nicht. Da freut man sich halt auch über kleine Erfolge und das ist schön, dass man weniger verglichen werden kann.“


Schlagerpuls.com: Was glaubst du, zeichnet dich aus?

Markus Norwin Rummel: „Ich arbeite sehr intensiv mit den Künstlern an der Vocal-Performance. Der Gesang verkauft den Song und der Künstler steht vorne und wird an diesem Produkt, das hier im Studio entsteht, gemessen. Wenn der Gesang nicht absolut top produziert ist, wirkt sich das negativ auf den Song und den Künstler selbst aus. Deshalb fließt bei mir der größte Teil der Arbeitszeit in die Ausarbeitung der Vocals. Das beginnt vor der Session mit dem Künstler, dass man die Demos schon so vorbereitet, dass der Künstler bereits gut damit lernen kann. Das geht weiter während der Session, in der wir dann gemeinsam viel ausprobieren (Tonart erneut checken, am Ausdruck arbeiten, Deutlichkeit ist speziell im Schlager auch ein wichtiger Punkt). Meine Aufgabe als Produzent ist in gewisser Weise auch das „Regie führen“. Nach dem Recording fließt nochmal Zeit in die sogenannte „Take-Selection“. Man schneidet das beste Material aus der Session zusammen und letzten Endes wird das ganze dann im Mix noch veredelt. Auch hier ist es enorm wichtig, den Interpreten nach vorne zu stellen und alles dafür zu tun, dass er seinen Platz im Mix findet, damit der Zuhörer sich direkt angesprochen fühlt. Das ist ein hochkomplexer Prozess, weil so viele Dinge zusammenspielen. Man stellt sich immer wieder die Frage „Was für ein Gefühl vermitteln wir dem Zuhörer?“

Schlagerpuls.com: Du sagtest eben, dass du gern Ohrwürmer schaffst. Was macht dir da so viel Freude dran?

Markus Norwin Rummel: „Als erstes macht mir natürlich der Prozess extrem viel Spaß, das darf man nicht vergessen. Ich mache es ja auch für mich, weil ich daran einfach Freude habe. Ich empfinde zu tiefstes Glück, wenn ich etwas erschaffen kann. Ich glaube das Schöne bei Ohrwürmern ist, dass man die Lieder gerne mitsingt. Wenn jemand auf der Straße deinen Song vor sich hin pfeift, dann hast du es geschafft. Mit einem Text wiederum kannst du auch Leute zum Nachdenken anregen. Mit einer Kombination aus beidem kannst du es schaffen Menschen mitten ins Herz zu treffen. Das ist doch purer Wahnsinn.“


Schlagerpuls.com: Der Musikmarkt entwickelt sich rasant. Wie beeinflusst er deine Arbeit?

Markus Norwin Rummel: „Es beeinflusst uns definitiv alle, das ist ganz klar. Auch was die Länge der Titel angeht… Früher war so der Schnitt 3:30 Minuten bei einem Pop-Titel und das war auch die Radiolänge. Heute sagen alle: ‚Bloß nicht über drei Minuten machen.‘ Auch radiomäßig solltest du gar nichts anbieten, was über drei Minuten ist. Streamingmäßig ist es ja noch kürzer, da sind wir irgendwo bei 2:40 oder gar 2:20. Aus musikalischer Sicht finde ich das extrem schade, weil ein Titel eine gewisse Länge braucht, damit du ihn aufbauen kannst. Ein Song muss sich sozusagen im Aufbau entwickeln können. Wenn ab Sekunde 1 alles schon da ist, dann hat man wenig Spielraum ein Element zu steigern. Genau von dieser Dynamik jedoch lebt Musik. Aus künstlerischer Sicht würde ich behaupten… das passt jetzt überhaupt nicht in den Mainstream, was ich sage… ein Titel muss so lang sein, wie der Song es braucht, um die Geschichte zu erzählen. Das heißt ein Song müsste eigentlich auch mal sechs Minuten sein dürfen und darf dann im Umkehrschluss auch gerne mal nur zwei Minuten sein, wenn du das Gefühl hast, dass alles erzählt ist und das ist so gut in dieser Zeit. Zu diesen Kürzungen führen jedoch immer externe Faktoren, die mit der Musik nichts zu tun haben. Deshalb gefällt mir, wie auch den meisten Musikern, das persönlich nicht. Dennoch, wenn man kommerzielle Musik macht und stattfinden will, muss man sich was die Songlänge angeht selbstverständlich anpassen. Insbesondere als Auftragswriter und Produzent für andere.

Es ist natürlich schon so, dass ich mir beim Songwriting in einem sehr frühen Stadium Gedanken über die Länge mache. Wenn Du die Strophe und den Refrain hast, dann packst du das zweimal hintereinander, also Strophe, Refrain, Strophe, Refrain… und dann weißt du schon so ist die Länge ungefähr. Dann machst du dir Gedanken, ob du überhaupt noch einen C-Part machst usw. Insbesondere bei einem Newcomer, für den Airplay eine entscheidende Rolle spielen kann, würde ich nichts über 3 Minuten anbieten. Schließlich möchte ich es ihm ja nicht schwerer machen, als er es sowieso schon hat.“

Schlagerpuls.com: Wie stehst du zum Thema KI?

Markus Norwin Rummel: „Es ist ja wirklich Wahnsinn, was man da mittlerweile machen kann, und ich glaube, dass es sich schnell als hilfreiches Tool in der Musikproduktion etablieren wird. Man muss sich allerdings immer vor Augen halten, dass eine KI nur auf das zurückgreift, was schon mal in irgendeiner Form dagewesen ist. Ein Hit aber unterscheidet sich ja genau dadurch, dass er irgendwas hat, was es so noch nicht gegeben hat. Selbst wenn die KI ihr Songwriting verbessern wird, und das passiert zu hundert Prozent, wird sie sich immer an Erfolgen aus der Vergangenheit orientieren. Diese Einschränkung macht den Unterschied.“

 

Seht Euch hier an, wie Markus einen Song für Roland Kaiser komponierte und textete:

 

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Das Interview führte Kevin Drewes, transkribiert wurde es von Ina-Fiethen Drewes

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