Was entsteht, wenn aus Kindheitserinnerungen, Familienrezepten und ganz viel Leidenschaft ein gemeinsames Herzensprojekt wird? Stefanie Hertel, ihre Tochter Johanna Mross und Ehemann Lanny Lanner haben ihre persönlichen Lieblingsrezepte zusammengetragen und daraus das Buch „Wir lieben Backen“ gemacht, das weit mehr ist als eine Sammlung leckerer Kuchen und Torten. Im exklusiven Interview mit Schlagerpuls.com erzählen die drei, wie die Idee entstand, welche besonderen Erinnerungen sie mit dem Backen verbinden und warum in vielen ihrer Rezepte ein Stück Familiengeschichte steckt. Von Johannas Backerlebnissen mit ihren Omas über Stefanies „Pinguin-Torte“ bis zu Lannys legendärem ersten Backversuch als junger Bub auf der Alm wird dabei eines deutlich: Bei dieser Familie geht es beim Backen vor allem um Liebe, Tradition und die Freude, gemeinsam etwas Schönes zu schaffen.
Schlagerpuls.com: Jetzt kommt ja euer erstes Backbuch raus. Wer hatte von euch die Idee dazu?
Johanna Mross: „Wir haben mit den Autoren, die mit meiner Mutter schon mittlerweile zwei Bücher geschrieben haben, irgendwann darüber geredet, dass es vielleicht ganz cool wäre, wenn wir ein Backbuch machen würden. Ich habe ja dann auch die Ausbildung zur Konditorin gemacht, Mama war beim ‚Großen Backen‘ dabei und Lanny backt sowieso schon, seit er in der Windel ist.
Wir haben das aber eigentlich nie wirklich ernsthaft verfolgt. Anfang dieses Jahres haben wir mit Olaf und Peter, den beiden Autoren, gequatscht. Sie hatten dann gesagt: ‚Wir hätten da jetzt zwei Verlage, die hätten richtig Lust drauf, mit euch ein Backbuch zu machen‘. Wir waren direkt begeistert und dann ist es letztendlich der ZS-Verlag geworden, was den Stein ins Rollen brachte.“
Schlagerpuls.com: Stefanie, du hast schon einen Bestseller gelandet, jetzt machst du wieder ein Buch – mit der Familie. Wie ist das für dich?
Stefanie Hertel: „Super natürlich. Das letzte Buch war für mich eine Heidenarbeit, weil ja alles auf mir lastete und mir das Thema auch sehr wichtig war. Kräuter begleiten mein Leben. Und insofern war das natürlich eine tolle Sache, aber es war natürlich ein Riesenaufwand.
Jetzt hingegen, muss ich sagen, war es ein bisschen leichter, weil wir ja alle drei unsere Rezepte eingebracht haben und das dementsprechend alles durch Drei geteilt wurde. Es hatte jeder für sich natürlich einen Aufwand, aber nicht so, als wenn es nur einer alleine macht. Und das ist das Schöne, wenn man miteinander etwas macht. Dann kann man Freud und Leid miteinander teilen.“
Schlagerpuls.com: Wie kann man sich das vorstellen? Habt ihr eure Ideen dann alle in einen Topf geworfen und überlegt: Okay, welche Sachen wollen wir denn unbedingt drin haben?
Stefanie Hertel: „Wir stehen ja sowieso nicht miteinander in der Backstube, sondern jeder für sich. Vielleicht hilft der eine dem anderen Mal, aber eigentlich ist es immer einer, der ein Gebäck herstellt. Und insofern haben wir dann auch gesagt, dass es Sinn macht, dass wir die Rezepte aufteilen und jeder von uns 20 Rezepte macht – und da jeder auch völlig frei ist in dem, was er gerne machen möchte. Und so sind dann auch ganz tolle, unterschiedliche Sachen entstanden.“
Schlagerpuls.com: Lanny, wie kam das bei dir, dass du schon so früh zum Backen gekommen bist? War das bei dir in der Familie früher eine feste Tradition?
Lanny Lanner: „Nein, gar nicht. Ich kann kurz zurückspulen – meine erste Backrunde war tatsächlich bei meiner Oma am Berg, auf der Alm am Bauernhof. Da habe ich immer zugeschaut, wie die Bäuerin im Nachbarhaus jede Woche zehn bis fünfzehn Laib Brot in einem riesigen Backofen gemacht hat. Da hat es geduftet und das war einfach wunderbar. Das Getreide wurde gemahlen in der großen Mühle und das hat mich fasziniert. Da habe ich mir gedacht: ‚Das muss ich auch einmal probieren‘ – und bin zu ihr gegangen und fragte sie, ob ich ein paar Körner Roggenmehl haben darf. Ich möchte mahlen. Daraufhin wollte sie wissen, wo genau. Ich antwortete ganz selbstbewusst: ‚Hinter dem Haus ist ein alter Mühlstein am Boden.‘ Daraufhin hat sie nur gelacht und mir ein kleines Säckchen mit Roggenmehl gegeben. Dann bin ich dort mit dem Roggen hin und habe mit einem Stein auf dem Mühlstein herumgewurschtelt. Ich habe es natürlich nur plattdrücken können und da kam überhaupt nichts dabei raus. Das hat meine Oma gesehen und ein bisschen Mitleid mit mir gehabt, sagte ‚Du, ich gebe da ein Mehl dazu.‘ Das habe ich dann mit meiner Pampe verrührt und Wasser dazugetan – heraus kam ein Ziegelstein. Den wollten nicht einmal die Schweine im Schweinestall fressen. Also, das war mein erster Backversuch (lacht).
Das zweite Mal, wo ich dann wirklich backen wollte, war in Italien, wo ich jeden Abend in den Pizzerien beim Pizzabäcker zugeschaut und leidenschaftlich Pizza gegessen habe. Das mache ich übrigens heute noch. Und so wurde der Traum vom Pizzabacken geboren, was seitdem meine größte Leidenschaft ist. Wenn es ums Backen geht, dann ist das bei mir die Pizza.“
Schlagerpuls.com: Johanna, du hattest ja die Ausbildung zur Konditorin gemacht. Wie kam das und wo rührte das her?
Johanna Mross: „Ich bin natürlich oft bei meinen Omas in der Kindheit gewesen. Beide sind fantastische Hobbybäckerinnen und Hobbykonditorinnen. Meine Oma aus Traunstein hat zum Beispiel die beste Schwarzwälder Kirschtorte gemacht und den besten Apfelstrudel. Die andere Oma hat auch zu sämtlichen Eventualitäten sämtliche Kuchen gemacht. Meine Lieblingstorte von ihr war zum Beispiel die Philadelphia-Himbeer-Torte. Da habe ich natürlich immer dabei gestanden… beziehungsweise auf der Arbeitsfläche gesessen. Meine Aufgabe war es, den Teig ausführlich zu probieren. Und dann habe ich mit meinem Löffelchen gesessen und den Teig geschleckt, durfte aber natürlich auch helfen, kleinere Arbeiten mitmachen, rühren und Teig kneten.
Später, als ich auch allein in die Küche durfte, habe ich sämtliche Sachen zusammengerührt und irgendwas ist dann immer daraus geworden, ob gut oder schlecht sei mal dahingestellt. Aber es ist immer irgendwas daraus entstanden. Irgendwann habe ich dann mal ein Praktikum bei der Konditorei bei uns im Nachbardorf gemacht. Ich hatte aber eigentlich nicht den Plan, eine Ausbildung zu machen – einfach aus dem Grund, weil ich ja zu der Zeit schon Musik gemacht habe und wusste, das funktioniert so nicht – ich muss weg zu Auftritten. Wir hatten dann auch schon die Tour mit Bonnie Tyler damals geplant und da kann ich nicht einfach sagen: „Ja, ich mach jetzt hier die Ausbildung, aber ich bin jetzt einfach mal 30 Tage weg.“ Das funktioniert ja eigentlich so nicht. Das dachte ich zumindest. Doch der Chef, bei dem ich das Praktikum machte, fragte mich, warum ich die Ausbildung nicht bei ihm machen würde. Er hätte mich gerne da. Als ich ihm das dann erklärte, machte er klar, dass es kein Grund sei und wir es irgendwie gebacken kriegen – im wahrsten Sinne des Wortes (lacht). Er hat mich da wirklich sehr unterstützt und ich durfte, wann immer ich musste, weg. Er sagte damals: ‚Hauptsache, du machst den Beruf, der dir Spaß macht. Und wenn es gerade im Moment zwei Berufe sind, dann kriegen wir das auch irgendwie hin.‘ Das war total cool, dass ich die Ausbildung somit machen konnte und zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe. Also zwei Hobbys zur gleichen Zeit zum Beruf machen zu können. Das ist natürlich fantastisch.“
Schlagerpuls.com: Wie wird das aufgebaut sein? Gibt es dann zu jedem Rezept quasi eine kleine Anekdote von euch?
Lanny Lanner: „Ja, genau. Das war ja eigentlich der Plan, dass wir nicht nur backen. Denn jeder kann ein Backbuch machen. Das ist auch nicht wirklich interessant, weil es 100 Millionen Backbücher gibt. Wir haben daher versucht, unsere persönlichen Geschichten – also ein bisschen was über uns als Menschen und über den Bäcker in uns – in das Buch einfließen zu lassen. Es gibt auch zu jedem Rezept von jedem ein paar Zeilen, warum, wie und weshalb wir das machen – und grob auch, wie wir zum Backen gekommen sind, warum wir als Familie backen und so weiter. Es ist ein Buch, das sowohl zum Lesen als auch zum Nachbacken gedacht ist. Wer uns ein bisschen näher kennenlernen möchte, kann auch in dem Buch bestimmt die eine oder andere Info herausziehen, die er noch nicht wusste.“
Schlagerpuls.com: Habt ihr ein Lieblingsrezept jeweils, zu dem ihr auch eine ganz besondere Verbindung zu habt?
Lanny Lanner: „Ich schon (lacht)!“
Johanna Mross: „Ganz, ganz schwierig bei mir, weil ich bei fast jedem Rezept irgendeine Geschichte dabeihabe, die für mich sehr wichtig ist. Zum Beispiel die Macarons, weil wir oft in Paris waren. Da war mein erster Auftritt mit Bonnie Tyler damals. Deswegen haben die Macarons eine ganz besondere Geschichte. Oder auch der Strudel, weil Strudel wirklich mein Lieblingsgebäck ist und den meine Oma immer gemacht hat. Deswegen liebe ich Strudel sehr. Natürlich auch die ganzen Torten. Also, ich kann wirklich gar nicht sagen, was da mein Lieblingsrezept ist.“
Stefanie Hertel: „Mir fällt es auch total schwer, da ein Lieblingsrezept herauszupicken. Ein Rezept ist ein bisschen aufwendiger und sieht ganz süß aus. Als ich beim großen Promibacken war, habe ich das sozusagen als Visitenkarte gemacht – ein Iglu mit lauter kleinen Pinguinen. Es ist eine vegane Torte, die ich damals kreiert habe und die richtig gut bei der Jury ankam, was mich natürlich total gefreut hat. Das ist so etwas, das ist eine schöne Erinnerung an diese besondere Zeit. Aber natürlich gibt es auch viele Familienrezepte, bei denen ich sofort zurückversetzt werde in meine Kindheit… zu meiner Oma oder zu meiner Mama nach Hause.“
Schlagerpuls.com: Wie kann man sich das vorstellen, wenn ihr zu Hause backt? Also jeder backt da für sich und überrascht die anderen dann? Denn ihr seid ja auch super viel unterwegs.
Lanny Lanner: „Überraschungen gibt es keine, es sei denn, es ist irgendein Geburtstag oder so etwas. Wenn jemand Lust hat, dann macht er was. Wenn jemand da etwas gebacken hat, dann bringt er das natürlich meistens mit… weil wenn du eine Torte oder so machst, reicht es ja fast für eine kleine Kompanie.“
Schlagerpuls.com: Was wünscht ihr euch mit dem Buch zu erreichen? Dass Familien noch mehr Lust haben zu backen?
Lanny Lanner: „Einerseits, dass die Menschen uns als ‚More Than Words‘, aber auch als Familie vielleicht ein bisschen besser kennenlernen. Das würde ich ganz cool finden. Stefanie kennt jeder, aber die Johanna und ich sind da vielleicht noch nicht ganz so im Vordergrund. Und das wäre natürlich jetzt eine schöne Möglichkeit, dass wir uns als Familie und als Persönlichkeiten dem Publikum ein bisschen besser vorstellen können.“
Dabei ergänzt er: „Wenn natürlich jemand gerne backt, dann ist es auf jeden Fall ein Buch, das sehr viel Spaß macht – weil man da Rezepte finden wird, die man wahrscheinlich nirgendwo anders findet. Es sind teilweise Rezepte, die wir selbst uns ausgedacht haben, oder eben Rezepte von Backmehl oder Mehlspeisen, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt. Weil sie aus Produktions- oder preistechnischen Gründen einfach nicht mehr in den Regalen sind. Das ist zum Beispiel bei mir so. Ich habe mir einige Produkte ausgesucht, die ich sehr gerne habe und die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Aber die gibt es halt nicht mehr. Und jetzt gibt es die wieder, man kann sie selbst machen!“
Johanna Mross ergänzt: „Und vor allem auch den Leuten das Backen ein bisschen näherbringen. Ich kenne das von mir selbst noch – bevor ich die Ausbildung gemacht habe, dachte ich zum Beispiel, dass Torten unglaublich schwierig sind. Da habe ich echt immer gedacht, das ist Quantenphysik. Dabei ist es eigentlich gar nicht so viel dahinter, wenn man einfach nur ein paar Kniffe weiß und kennt. Jetzt zeige ich in dem Buch einfach mal, wie man mit wenigen Handgriffen und mit wenig Know-how schnell eine süße Torte machen kann. Mit Bodenrezepten und Buttercreme-Rezepten, die nicht sehr aufwendig und nicht sehr kompliziert sind, und man trotzdem innerhalb von zwei bis drei Stunden eine schöne Torte hat. Das ist einfach so der Anspruch, dass sich auch mal mehr Leute in die Küche wagen und Freude am Backen finden.“




