Die Karl König Kolumne: Muss ein Konzert heute ein Luxus sein?

Post Von Kk
Die Karl König Kolumne: Muss ein Konzert heute ein Luxus sein?

Spannend!

© Kevin Drewes / Schlagerpuls.com

Kaum startet der Vorverkauf für ein großes Konzert, geht die Diskussion los. „120 Euro? 150 Euro? Das kann doch nicht wahr sein!“

Ehrlich gesagt: Ich verstehe beide Seiten.

Wer heute mit der Familie auf ein Konzert gehen möchte, ist schnell mehrere Hundert Euro los. Tickets, Anreise, Parkgebühren, vielleicht noch eine Hotelübernachtung – da wird aus einem Konzertabend schnell ein Kurzurlaub.

Musik darf aber kein Luxus werden. Sie muss Menschen verbinden und darf nicht vom Kontostand abhängen.

Genauso unfair finde ich es aber, wenn sofort behauptet wird, Künstler würden sich auf Kosten ihrer Fans bereichern. So einfach ist die Welt nicht.


Helene Fischer hat sich kürzlich in den Tagesthemen zu Wort gemeldet und daran erinnert, wie viele Menschen hinter einer großen Tournee stehen. Vom Bühnenbauer über die Licht- und Tontechnik bis zur Security und Logistik – eine Stadionproduktion ist heute ein Millionenprojekt. Und ja: Energie, Transporte, Personal und Material sind in den vergangenen Jahren erheblich teurer geworden.

Aber es gibt noch einen zweiten Punkt, über den viel zu selten gesprochen wird.

Früher lebten viele Künstler von ihren Plattenverkäufen. Eine erfolgreiche CD brachte Einnahmen, mit denen sich Musik finanzieren ließ. Heute wird gestreamt – bei den Künstlern bleibt davon nicht viel hängen. Gerade diejenigen, die nicht zu den absoluten Superstars gehören, können davon kaum leben. Deshalb haben Live-Konzerte heute einen ganz anderen Stellenwert als noch vor 20 Jahren. Sie sind für viele Künstler zur wichtigsten Einnahmequelle geworden.

Das erklärt höhere Ticketpreise. Es entschuldigt aber nicht jede Preisentwicklung.

Denn auch ich frage mich manchmal: Muss wirklich alles immer größer, spektakulärer und teurer werden? Braucht jedes Konzert riesige LED-Wände oder Pyrotechnik?


Oder verlieren wir dabei vielleicht das, worum es bei Musik eigentlich geht? Meine schönsten Abende waren jedenfalls selten die größten.

Es sind die persönlichen Erlebnisse, wo man in lachende Gesichter geschaut hat statt auf tausende Handybildschirme. Wo jeder Song gemeinsam zelebriert wurde und man am Ende das Gefühl hatte gemeinsam einen besonderen Abend erlebt zu haben.

Deshalb möchte ich heute ganz bewusst eine La La Lanze für die kleinen Konzerte brechen.

Geht nicht nur zu den ganz großen Namen. Schaut euch Künstler an, die vielleicht noch auf dem Weg nach oben sind. Besucht Stadtfeste, kleinere Hallen oder Open-Air-Veranstaltungen. Dort erlebt ihr oft genau das, was Musik ausmacht: Nähe, echte Emotionen und Künstler, die jeden einzelnen Gast zu schätzen wissen.

Und ihr bewirkt noch etwas anderes.


Ihr helft dabei, dass unsere Musiklandschaft lebendig bleibt. Jeder große Star hat einmal klein angefangen. Wenn wir nur noch die größten Produktionen besuchen, wird der Weg für neue Künstler immer schwieriger. Wir brauchen Vielfalt auf den Bühnen.

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den berechtigten Erwartungen der Fans und den gestiegenen Kosten einer Branche, die sich in den vergangenen Jahren komplett verändert hat.

Und vielleicht entdecken wir dabei etwas wieder, das fast unbezahlbar geworden ist: den Zauber eines kleinen Konzerts.

Denn am Ende erinnern wir uns selten daran, wie groß die Bühne war. Wir erinnern uns daran, wie sich ein Lied angefühlt hat.

Euer Karl König

Weitere News