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Die Karl König Kolumne: Schlagermove in Hamburg – Es gibt kein Festival mit mehr Liebe

Post Von Kk
Schlagermove 2026 erstmals mit Open Air Konzert! Mehr dazu, der ultimative Anreisetipp & was euch noch alles erwartet!

Es geht schon wieder los!

© Kevin Drewes / Schlagerpuls.com

Es gibt in Hamburg zwei Dinge, über die jedes Jahr zuverlässig gestritten wird: Das Wetter und den Schlagermove.

Kaum rollen die bunt geschmückten Trucks über St. Pauli, sind die Schlagzeilen bei so machen Hamburger Medium schon geschrieben. Super Stimmung, aber muss dieses Riesending mit Lärm und Müll wirklich sein?

Ja. Muss es!

Denn der Schlagermove ist weit mehr als eine Party. Er ist eines der letzten großen Feste, bei denen Menschen nicht gegeneinander, sondern miteinander feiern. Ohne Ellenbogen. Ohne VIP-Zäune. Ohne Dresscode. Dafür mit Schlaghose, Glitzerhemd und einem Lächeln, das manchmal schon morgens um zehn Uhr beginnt…



Natürlich verstehe ich die Hamburger. Wer direkt an der Strecke wohnt, freut sich vermutlich nicht über Hunderttausende Besucher vor der Haustür. Wo viele Menschen sind, gibt es auch immer negative Begleiterscheinungen. Genau deshalb hat der Veranstalter das Konzept in den vergangenen immer wieder angepasst, hunderte zusätzliche Toiletten aufgestellt und Reinigungsteams aufgestockt. Er trägt dafür auch die gesamten Kosten.

Und Hand aufs Herz: Welche Großveranstaltung hinterlässt keine Spuren? Ob Marathon, Hafengeburtstag, Fußball oder Weihnachtsmarkt – überall wird gefeiert, gelacht und anschließend aufgeräumt. Warum wird dort weniger diskutiert?

Vielleicht, weil Schlager bis heute unterschätzt wird.

Wer noch nie dabei war, glaubt oft, dort würden nur ein paar verkleidete Menschen zu „La Paloma“ schunkeln. Wer einmal mittendrin war, weiß es besser. Da tanzt der 25jährige neben der Rentnerin, die Krankenschwester neben dem Handwerker, der Banker neben dem Busfahrer. Niemand fragt nach Herkunft, Beruf oder Kontostand. Man kennt sich nicht – und singt trotzdem gemeinsam jede zweite Zeile mit.

Und genau das ist heute wichtiger denn je.

Während heutzutage viel über Spaltung, Aggression und gesellschaftliche Gräben diskutiert wird, lebt der Schlagermove das genaue Gegenteil. Hier reicht oft ein „Griechischer Wein“, ein „Mendocino“, ein lautes „Fiesta Mexicana“ oder einfach nur ein „La La La“, und plötzlich gehören Fremde für einen Nachmittag zur selben großen Familie.



Besonders gefällt mir, dass der Schlagermove eben kein Ballermann ist. Ja, auch hier wird gefeiert. Aber der Soundtrack ist ein anderer. Statt Partyschlager regieren die Melodien, mit denen viele aufgewachsen sind. Kultschlager, die Erinnerungen wecken. Lieder, die Generationen verbinden. Musik, die nicht cool sein will, sondern einfach gute Laune macht.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis.

In einer Zeit, in der vieles immer schneller, digitaler und komplizierter wird, ist der Schlagermove herrlich unkompliziert, ja fast schon angenehm altmodisch. Niemand muss perfekt aussehen. Niemand muss Influencer sein. Niemand muss beweisen, wie wichtig er ist. Es reicht völlig, wenn man laut mitsingt.

Deshalb wünsche ich mir, dass wir uns gemeinsam darüber freuen, dass es noch Veranstaltungen gibt, die Hunderttausende Menschen friedlich zusammenbringen. Übrigens aus allen Himmelsrichtungen. Allein Müller Touren reist mit zwei vollen Partyzügen durch die Republik, um die Schlagerfans einzusammeln und in die Hansestadt zu bringen.

Und wenn am Ende des Tages irgendwo zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken wieder tausende Stimmen gleichzeitig „Wunder gibt es immer wieder“ singen, dann denke ich mir jedes Mal: Vielleicht stimmt das sogar.

Also, la la la lasst uns gemeinsam feiern!

Euer Karl König

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